Konzeption und Realisierung einer WWW-basierten Benutzerführung des Wattenmeerinformationssystems WATiS
Norman Wolff
April 1998
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Einleitung |
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Aufgabenstellung |
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Ausgangssituation |
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Das Internet |
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Ausgewählte Metainformationssysteme mit WWW-Interface |
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Grundlagen von Graphischen Fenstersystemen |
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Konzeption der Benutzerführung LOTSE/Web |
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Realisierung |
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Zusammenfassung und Ausblick |
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Literarturverzeichnis, Abkürzungen |
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Eines der größten Probleme in unserer Zeit ist die stetig steigende Belastung der Umwelt. Diese Problematik eröffnete ein neues Forschungsgebiet innerhalb der Informatik: die Umweltinformatik. Die Umweltinformatik soll einen Beitrag zur Untersuchung, Behebung, Vermeidung oder Minimierung von Umweltbelastungen und Umweltschäden leisten. Ein hieraus resultierendes Problem ist die große Menge der anfallenden Daten und deren Verwaltung. Ein weiteres Problem ist die Interpretierbarkeit von Umweltdaten. Es ist oft sehr schwierig, manchmal sogar unmöglich, Umweltdaten ohne weitere beschreibende Information zu verstehen. Diese zusätzliche beschreibende Information wird im allgemeinen als Metainformation oder Metadatum bezeichnet. Eine einheitliche Terminologie hat sich noch nicht durchgesetzt. Die elektronische Verarbeitung von Metainformation bietet eine Möglichkeit, Umweltdaten nutzbar zu machen. Diese Systeme, die Metainformation über Umweltdaten verarbeiten, werden als Metainformationssysteme bezeichnet.
Am GKSS Forschungszentrum Geesthacht werden umfangreiche Projekte im Wattenmeer an der deutschen Nordseeküste durchgeführt. Die dabei anfallenden Daten sollen vollständig, langfristig und konsistent gespeichert werden und für eine heterogene Benutzergruppe aus Forschungseinrichtungen, Verwaltung und Behörden verfügbar sein. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, wurde das Wattenmeerinformationssystem WATiS am GKSS Forschungszentrum aufgebaut. Hier werden die anfallenden Projektdaten entsprechend ihrer heterogenen Struktur in der Wattenmeerdatenbank WADABA unter dem relationalen Datenbanksystem Oracle auf einem zentralen Datenbankserver innerhalb der GKSS gespeichert. Die WADABA ist für neue Projekte erweiterbar. Hier werden auch Daten des nationalen und trilateralen Wattenmeermonitorings, in Zusammenarbeit mit den beiden anderen Wattenmeer-Anrainerstaaten Dänemark und den Niederlanden, verwaltet. Die WADABA enthält auch Daten von den GOAP(Greifswalder-Oder-Aestuar-Austausch-Prozesse)-Projekten, die im Bereich des Greifswalder Boddens an der deutschen Ostseeküste erhoben worden sind.
Um auf die Datenbestände der WADABA zugreifen zu können, wurde das Benutzerführungssystem LOTSE entwickelt. Die Entwicklung dieses Systems wurde innerhalb einer Hochschulkooperation zwischen dem Institut für Gewässerphysik am GKSS Forschungszentrum und der Universität Hamburg am Fachbereich Informatik durchgeführt. Innerhalb der Hochschulkooperation enstanden so mehrere Versionen des Benutzerführungssystems LOTSE. Der Nachteil der bisher entwickelten Systeme bestand hauptsächlich in ihrer beschränkten Verfügbarkeit. Die Systeme wurden als Terminalanwendung und als Prototypen auf Apple-Mactintosh-Rechnern implementiert. Mit dem Internet als Grundlage für ein Rechnernetz kam der Wunsch auf, die Benutzerführung auf diesem Wege weltweit verfügbar zu machen und eine einheitliche Oberfläche auf verschiedenen Rechnerplattformen zu realisieren.
Diese Arbeit ist innerhalb des Projekts TIDE (Tools for an Integrative view of Distributed Enviromental data) enstanden, das sich im Rahmen der Hochschulzusammenarbeit gebildet hat und das die Konzeption einer Architektur für eine einheitliche Sicht auf heterogene, verteilte Umweltdaten als Forschungsschwerpunkt hat.
Die Entwicklung eines neuen Benutzerführungssystems LOTSE/Web ist Gegenstand dieser Arbeit. Der Zugriff auf die Datenbestände soll in Zukunft über das World Wide Web WWW erfolgen. Den Rahmen für die zu erreichende Funktionalität bildeten teilweise die bisher entwickelten Systeme. Mit dem LOTSE/Web wurde eine Benutzerführung entwickelt, die auf verschiedenen Rechnerplattformen eine einheitliche Oberfläche bietet.
Die Arbeit gliedert sich in neun Abschnitte. Nach der Einleitung wird im Kapitel 2 die Aufgabenstellung für diese Arbeitet näher erläutert. In Kapitel 3 wird die Ausgangssituation dargestellt. Kapitel 4 befaßt sich mit dem Internet und seinen Möglichkeiten. In Kapitel 5 werden zwei Metainformationssysteme exemplarisch vorgestellt, die bereits eine Anbindung an das WWW besitzen. Kapitel 6 diskutiert Grundlagen von Graphischen Fenstersystemen, die für die Konzeption des LOTSE/Web einfließen. In Kapitel 7 wird die Konzeption des LOTSE/Web vorgestellt. Insbesondere werden die Anforderungen an das neue System diskutiert und Möglichkeiten für den Datenzugriff vorgestellt. Kapitel 8 beschreibt die Realisierung des neuen Systems. Den Schluß der Arbeit bildet das Kapitel 9 mit dem Ausblick. Im Anhang befinden sich eine Bedienungsanleitung für das neue System, ein Java-Programmtext sowie Verzeichnisse für Literatur, Abkürzungen, Abbildungen und Tabellen.
2 Aufgabenstellung
Die Neuentwicklung einer Benutzerführungskomponente des Wattenmeerinformations-systems WATiS ist das Ziel dieser Diplomarbeit. Es soll ein unkomplizierter Zugriff von dezentral mit Verbindung zum Internet arbeitenden Benutzern ermöglicht werden. Als grundlegende Funktionalität ist die Navigation durch die enthaltenen Datenbestände und die Wiedergabe von Information zu realisieren, die sich sowohl in verschiedenen Datenbanken als auch in speziellen Dateisystemen befinden können. Die Funktionalität der bisher entwickelten Benutzerführungen soll in die neue Benutzerführungskomponente des WATiS integriert werden.
Folgende Aufgaben sind für die Neuentwicklung der Benutzerführung zu betrachten:
Die Nutzerführung soll auf WWW-Basis entwickelt werden.
Einschränkungen
Aufgrund der Migration der bisherigen Datenbank der Wattenmeerdaten auf ein System eines anderen Herstellers ergaben sich Probleme mit der Datenlage. Die Funktion Projektionen im 4-dimensionalen Suchraum (vgl. WINT94) wird in der Neuentwicklung nicht angeboten (siehe 8.7).
"Umweltinformatik ist eine Teildisziplin der Angewandten Informatik, die mit Methoden und Techniken der Informatik diejenigen Informationsverarbeitungsverfahren analysiert, unterstützt und mitgestaltet, die einen Beitrag zur Untersuchung, Behebung, Vermeidung oder Minimierung von Umweltbelastungen und Umweltschäden leisten können." (PAGE94, S.16). Die Bedeutung der Umweltinformatik resultiert aus den besonderen Eigenschaften der Umweltdaten im Vergleich zu herkömmlichen Daten anderer Teilgebiete der Informatik.Umweltdaten sind besonders komplex, da sie die natürliche Umwelt abbilden. Deren typische Merkmale sind Vielfalt, Heterogenität, Dynamik, Offenheit, Rückkopplung und Nichtlinearität. Diese Komplexität von Umweltdaten läßt sich beispielsweise an drei typischen Merkmalen festmachen:Fachlicher Bezug: Welches Objekt wurde mit welchen Mitteln betrachtet ?
Zeitlicher Bezug: Für welchen Zeitraum haben die Werte Gültigkeit ?
Die Wichtigkeit dieser Merkmale
wird unterschiedlich eingeschätzt, jedoch überwiegt die
Auffassung, daß der Raumbezug das wichtigste Merkmal von
Umweltdaten ist.
3.1 Metadaten und
Metainformation
Im Umweltbereich werden Systeme
eingesetzt, die mit sehr großen Datenmengen arbeiten. Man denke
z.B. an das Umweltmonitoring, wie automatische Schadstoffmessungen,
die stündlich, wenn nicht sogar noch öfter, an vielen
verschiedenen Orten gleichzeitig erhoben werden. Um dieser ungeheuren
Datenflut Herr zu werden, ist formalisiert gespeicherte Information
über bereits angelegte Datenbestände nötig.
Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Bereitstellung und Verwaltung von zusätzlicher Information mindestens zu den folgenden Problemen:
Der Zugriff auf aufgefundene Datenbestände muß unterstützt werden.
Die Bereitstellung von zusätzlichen Daten und Informationen für die genannten Probleme wird erst seit einigen Jahren ausführlich diskutiert. Nachdem anfangs ohne gemeinsame Terminologie versucht wurde, Lösungsmöglichkeiten zu beschreiben, setzen sich mittlerweile vor allem die Begriffe Metadaten und Metainformation durch. Vereinfacht läßt sich dabei sagen, daß Metadaten Daten über Daten sind. Die Begriffe Metadaten und Metainformation werden nicht einheitlich benutzt, so daß es schwierig ist, sie zu unterscheiden. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich aber der Begriff Metainformation, als Oberbegriff für Daten über Daten oder Information über Daten, herauskristallisiert. Folgende Strukturierung von Metainformation ist möglich (vgl. DENZ94):
Semantische Metainformation: Semantische Metainformation dient zur inhaltlichen Beschreibung von Informationsbeständen.
Syntaktische Metainformation: Die syntaktische Metainformation beschreibt alle DV-technischen Mechanismen bis hin zum Zugriff auf einen identifizierten Datenbestand.
Strukturelle Metainformation: Strukturelle Metainformation beinhaltet, wie die beschriebenen Objekte strukturiert bzw aggregiert sind.
Navigatorische Metainformation: Die navigatorische Metainformation dient quasi als Meta-Metainformation, da sie primär nicht als Metainformation dient, sondern in der Hauptsache dafür da ist, andere Metainformation aufzufinden.
Die elektronische Verarbeitung von Metainformation wird als große Hilfe im Kampf gegen die täglich anwachsende Datenflut gesehen. Gerade im Bereich der Umweltinformatik werden derzeit neue Konzepte und Modelle für Metainformationsverarbeitung entwickelt und implementiert. Für die Nutzung solcher Metainformationssysteme sprechen z.B. folgende Aspekte:
Relevante Datenbestände werden noch einmal erhoben, obwohl sie bereits an anderer Stelle vorliegen.
3.1.1
Metadatenformate
Metainformationssysteme halten ihre
Metadaten oft in einem eigenen Format. Das ist zum Beispiel auch beim
WATiS der Fall. Dieses ist zum Teil auch historisch bedingt, da es
bei der Konzeption von älteren Metainformationssystemen, die
heute noch im Einsatz sind, noch keine standardisierten
Metadatenformate gab. Mittlerweile existieren einige
Metadatenformat-standards, doch trotzdem ist ihre Verwendung oftmals
problematisch. Für einige Anwendungen sind diese Standards
einfach zu mächtig, um sich derer zu bedienen. Es haben sich
jedoch einige Standards herauskristallisiert, die immer breitere
Verwendung finden.Dazu gehören das Directory Interchange Format
(DIF), das Hierarchical Data Format (HDF) und das Climate and
Enviromental Data Retrieval and Archive (CERA)-Datenmodell.
3.1.1.1 Das Directory
Interchange Format DIF
Das Directory Interchange Format
(DIF) ist ein Metadatenformat, das von dem Global Change Master
Directory (GCMD) verwendet wird und von der NASA entwickelt wurde.
Das GCMD ist eine umfangreiche Sammlung von Umweltdaten, die z.B. von
der Atmosphäre, von der Hydrosphäre, von den Ozeanen etc.
erhoben worden sind. Das DIF ist ein Standard, der dazu benutzt wird,
um Verzeichniseinträge zu erstellen, die eine Datengruppe
beschreiben (s. URL). Ein DIF-Eintrag besteht aus einer Anzahl von
Feldern zur Spezifizierung der Daten. Die Minimalanforderung besteht
aus sechs Feldern (vgl. DIF98).
3.1.1.2 Das
Hierarchical Data Format HDF
Das Hierarchical Data
Format (HDF) ist eine Mischform von Metadaten und Rohdaten, ein
sogenanntes selbstbeschreibendes Datenformat. Es ist eine Bibliothek
und ein Multiobjekt-Datenformat, das den Transfer von graphischen und
numerischen Daten zwischen verschiedenen Rechnerplattformen
unterstützt (vgl. HDF98). Das HDF Dateiformat hat folgende
Eigenschaften:
Portabilität: HDF-Dateien können auf den unterschiedlichsten Plattformen eingesetzt werden, wobei es dann keine Rolle spielt, wo die Datei erstellt wurde und auf welcher Plattform die Datei weiterverarbeitet wird.
3.1.1.3 Das Climate and
Enviromental Data Retrieval and Archive CERA-Datenmodell
Das
CERA Metadatenmodell ist geeignet, um Klima- und Umweltdaten zu
beschreiben und wurde vom Deutschen Klimarechenzentrum (DKRZ) und dem
Alfred-Wegener-Institut (AWI) entwickelt. Es bildet das Directory
Interchange Format (DIF) ab. Die CERA Metadaten enthalten
Informationen eines Experiments, z.B. der globalen Erwärmung der
Erde, und der dazugehörigen Datensätze. Im CERA-Datenmodell
ist ein Experiment definiert als eine Zusammenfassung von
Datensätzen. Datensätze sind definiert als
Zusammenfassungen von zweidimensionalen Datenfeldern (vgl. LAUT95).
Die Experimentinformation wird in drei Untergruppen aufgeteilt:
Experimentbeschreibung, die z.B. die Angabe der Kampagne, die geographische Lage etc. enthält.
Die Experimentinformation
enthält die übergreifende Beschreibung der dazugehörigen
Daten. Die genaue Beschreibung der Klimadaten selbst liefert die
Datensatzinformation, die in vier Kategorien aufgeteilt ist:
Supportinformation, Inhaltsinformation, Technische Information und
Interne Speicherung.
3.2
Umweltinformationssysteme
Umweltinformationssysteme
dienen zur Speicherung und Verarbeitung von Umweltdaten. In PAGE94
wird eine Klassifizierung informationsverarbeitender Systeme im
Umweltschutz vorgenommen, nämlich in:
Überwachungs- und Kontrollsysteme, die entweder dem Umweltmonitoring, z.B. Überwachung der Belastung von Wasser, Luft, Boden oder der Steuerung und Regelung technischer Abläufe im Rahmen der computergestützten Prozeßführung dienen.
Konventionelle Informationssysteme, die zur Speicherung, Organisation, Integration und Wiedergabe von Daten heterogener Struktur dienen.
Auswertungs-, Analyse- und Simulationssysteme, die die Verarbeitung von Umweltdaten mittels komplexer mathematisch-statischer Auswertungsmethoden und Modellrechnungen unterstützen.
Entscheidungsunterstützende Systeme, die einem Entscheidungsträger direkte Unterstützung bei der Entscheidungsfindung bieten, indem sie ihm Hilfen zur Bewertung von Alternativen oder zur Begründung von Entscheidungen anbieten.
Integrierte Umweltinformationssysteme. In diese Klasse fallen Systeme, die sich nicht den zuvor genannten Klassen eindeutig zuordnen lasssen, weil sie z.B. über mehrere Komponenten unterschiedlicher Klassen verfügen (s. 3.2.2).
3.2.1 Geographische
Informationssysteme
In Geographischen
Informationssystemen (GIS) werden Informationen verwaltet, analysiert
und präsentiert, allerdings immer mit Bezug zum Raum: Die
repräsentierten Objekte befinden sich an einem bestimmten Ort,
sie haben eine räumliche Ausdehnung, und sie weisen
Verteilungsmuster im Raum auf. Informationen geographisch zu
organisieren, ist ein charakteristisches Merkmal eines GIS (vgl.
GERK95). Der Raumbezug von Daten wird über Koordinaten einer
bestimmten Raumbezugsbasis, der sogenannten primären Metrik,
repräsentiert. Typischerweise findet ein zweidimensionales
Modell Anwendung, welches nach dem kartesischen Koordinatensystem die
Punkte einer Ebene erfassen kann. Für auswertende Anwendungen
ist es oft sinnvoll, darauf eine sekundäre Metrik zu definieren.
Die dritte Raumkoordinate zur Modellierung von Höhenangaben
fehlt in vielen GIS ebenso wie eine Zeitachse. Insbesondere die Zeit
ist aber als möglicher Primärschlüssel zur Verknüpfung
von Daten von großer Bedeutung. Ein Umweltinformationssystem
mit einer raumbezogenen Datenbasis kann als ein spezielles GIS
aufgefaßt werden (vgl. BILL94).
3.2.2 Komponenten
Integrierter Umweltinformationssysteme
Integrierte
Umweltinformationssysteme haben keine einheitliche Architektur. In
den möglichen Komponenten spiegeln sich viele unterschiedliche
Methoden der Informatik wider. Sie bieten eine vielfältige
Unterstützung bei der Bewältigung umweltbezogener Aufgaben.
Integrierte Umweltinformationssysteme können als Rahmen für
das Zusammenspielen unterschiedlicher Bausteine betrachtet werden.
Inegrierte Umweltinformationssysteme werden je nach Aufgabenstellung
individuell gestaltet. Im folgenden Abschnitt werden mögliche
Komponenten vorgestellt (vgl. PAGE94 und OSWA95):
Überwachungs- und Kontrollsysteme
3.2.2.1
Datenbanksysteme
Zur Speicherung und Wiedergabe von Daten
dienen Datenbanksysteme. Für einen großen Teil der
Aufgaben im Umweltbereich bilden Datenbasen die Arbeitsgrundlage. Man
kann nach dem physischen Ort der Speicherung in zentrale oder
verteilte Datenhaltung unterscheiden. Beide Formen sind für
Umweltinformationssysteme relevant. Der Einsatz typischer
relationaler Datenbanksysteme für die Abbildung aller
Teilaspekte von Umweltinformation ist keine adäquate Lösung.
Man stößt auf große Schwierigkeiten, wenn man
komplexe Umweltobjekte gleichermaßen in Form von normalisierten
Relationen darzustellen versucht. Eine Lösung dieses Problems
kann in der Verwendung von objektorientierten Datenbanken liegen, die
jedoch noch keinen relevanten Verbreitungsgrad haben.
3.2.2.2
Metainformationssysteme
Ein Metainformationssystem ist
ein Informationssystem, das Informationen über das Vorhandensein
und den Zugang zu anderen Informationen verarbeitet.
Umweltinformationssysteme und Metainformationssysteme werden als
Begriff oft synonym verwendet. Eine Ursache hierfür könnte
sein, daß Umweltdaten ohne Metainformation nicht sinnvoll
verarbeitet werden können.
3.2.2.3 Netzwerke
Insbesondere für verteilte Lösungen, wie Integrierte
Umweltinformationssysteme, sind Rechnernetze die notwendige
Grundlage. Die Verfügbarkeit von Umweltdaten über ein Netz,
z.B. dem Internet, bietet eine große Chance, eine
Klassifizierung über die vorhandenen Daten vorzunehmen.
3.2.2.4
Benutzungsschnittstellen
Eine komfortable und
anwendungsfreundliche Gestaltung von Benutzungsschnittstellen wird
durch graphische Oberflächen mit kombinierter Tastatur- und
Mausbedienung ermöglicht. Ein wichtiger Grundsatz ist das
Abbilden der gesamten Funktionalität einschließlich einer
Online-Hilfe auf die Oberfläche. Dadurch wird der Arbeitsablauf
sowohl für die ständigen als auch für die
gelegentlichen Benutzer vereinfacht. Der Einarbeitungsaufwand kann
durch eine günstige Gestaltung niedrig gehalten werden (vgl.
HUEB90). Das typische Erscheinungsbild einer graphischen Oberfläche
nennt man in diesen Zusammenhang "Look and Feel."
3.2.2.5 Benutzerführungen
Als Navigations- und Wiedergabekomponenten von
Informationssystemen dienen Benutzerführungen. Sie geben
Anwendern Hilfestellung beim Auffinden relevanter Datenbestände
und sollten daher mit einer benutzungsfreundlichen, graphischen
Oberfläche ausgestattet sein. Die wichtigsten Ziele des
Einsatzes einer Benutzerführung werden im folgenden Absatz
dargestellt:
Unterstützung der Recherche zur Informationsbeschaffung durch geeignete Navigations- und Wiedergabekomponenten
Enthaltene Informationsangebote dem Benutzer transparent machen
Durch Verknüpfung von Sachdaten und Metadaten im Kontext die Interpretierbarkeit von Daten sicherstellen und Inhalte verdeutlichen
Den Nutzungsgrad von Daten erhöhen
Angemessene Präsentation von Datenbeständen
Zugriff über Rechnernetze ermöglichen
Weitere Methoden der Datenverarbeitung integrieren oder Verzweigungen zu anderen Programmkomponenten ermöglichen
Als Navigationsmethoden
innerhalb von Benutzerführungen können dienen:
Index-Listen, stichwortbezogene Suche über Thesauri oder
Schlagworte, ortsbezogener Zugriff über digitale Karten,
Hypertext- und Hypermediasysteme, Einschränkungen des Such- und
Sichtbarkeitsbereichs, natürlichsprachliche
Anfrageschnittstellen. Nach dem erfolgreichen Recherchieren sollen
die Suchergebnisse dem Benutzer in einer angemessenen Form
präsentiert werden (vgl. ZIEG93).
3.2.2.6 Hypertextsysteme
Herkömmliche Texte in Form von Büchern besitzen eine
sequentielle Struktur. Die Abschnitte von Hypertexten dagegen sind
durch Referenzen in einer netzwerkartigen Struktur verbunden. Faßt
man einen Hypertext als Netz auf, dann bilden die einzelnen Textteile
die Knoten und die Beziehungen die Kanten dieses Netzes (siehe
4.2.7.2).
3.2.2.7 Digitale Karten
Der Raumbezug von Daten läßt sich in Systemen mit
graphischer Oberfläche besonders gut durch digitale Karten oder
auch mit Satellitenbildern veranschaulichen. Digitale Karten
entstehen beispielsweise durch das Digitalisieren von topographischen
Karten. Unterschieden werden hierbei Raster- und Vektorgraphiken.
3.2.2.8 Wissensbasierte
Systeme
Grundlage von wissensbasierten Systemen ist
symbolisches, formal repräsentiertes Wissen in Form von
Wissensbasen. Zu einer Wissensbasis gehören Fakten und Regeln
sowie Inferenz-Operationen zum Ziehen von Schlußfolgerungen.
Wissensakquisition beschreibt den Begriff der formalisierten
Übertragung von Experten in die Wissensbasis. Wissensbasierte
Systeme werden daher auch als Expertensystem bezeichnet. Ein
wissensbasiertes System ist selbsterklärungfähig, wenn es
den Prozeß der Schlußfolgerungen belegen kann. Im Dialog
mit dem Benutzer wird ein Lösungsvorschlag aus der Wissensbasis
abgeleitet und dadurch Expertenwissen verfügbar gemacht. Die
Lösungswege sind im Fall selbsterklärender Systeme
dokumentierbar und lassen sich daher nachvollziehen. Das Problem
unpräziser Fragestellungen kann für
Umweltinformationssysteme mit Hilfe spezieller Expertensysteme gelöst
werden, die natürlichsprachliche Anfrageschnittstellen
realisieren. Im Vergleich zu wissensbasierten Expertensystemen
verfolgen konnektionistische Systeme, sogenannte neuronale Netze,
einen anderen Ansatz. Die Struktur des Netzes ist mit dem
Zusammenschluß von Nervenzellen vergleichbar. Die
Leistungsfähigkeit hängt unter anderem von Netzarchitektur,
Lernalgorithmus und Eingabegrößen ab. Das Wissen ist nach
Abschluß einer Lernphase innerhalb der Netzstruktur
gespeichert. Diese Repräsentation von Wissen wird als
"subsymbolisch" bezeichnet, da sie ausschließlich
durch die Gewichtungen der Verbindungen innerhalb des Netzes
repräsentiert wird. Diese Form verhindert aber die
Selbsterklärungsfähigkeit neuronaler Netze. Neuronale Netze
können fehlerhafte Daten auswerten und ermöglichen auch bei
großer Parameterzahl Analysen komplexer Vorgänge, die mit
anderen Methoden nur schwer zu verarbeiten sind (vgl. ULTS94).
3.2.2.9 Auswertungs-,
Analyse- und Simulationssysteme
Zu den Auswertungs- und
Analysenverfahren, die im Zusammenhang mit Umweltdaten zur Anwendung
kommen, zählen statistische Auswertungsmethoden und
Modellrechnungen. Dazu gehören insbesondere Ausbreitungs- und
Prognoserechnungen, Bildinterpretations-verfahren und die Simulation.
Simualtionssysteme realisieren Methoden von Modellbildung und
Simulation zum besseren Verständnis komplexer Zusammenhänge.
Sie ermöglichen Experimente an rechnergestützten Modellen,
die gemäß der Fragestellung durch komplexitätsreduzierende
Abbildung realer Systeme entstehen. Man unterscheidet gemäß
der Wertebereiche der Variablen zwischen diskreten, kontinuierlichen
und kombinierten Simulationsmodellen. Die Methoden der Simulation
sind insbesondere auch dann einsetzbar, wenn die realen Objekte nicht
für Versuche zur Verfügung stehen, wie z.B. im Fall der
Klimaforschung. Hauptzielrichtungen des Einsatzes im Umweltbereich
sind dabei die Erforschung komplexer Umweltsysteme bezüglich
deren innerer Struktur und die Untersuchung der Auswirkungen
menschlichen Handelns auf diese Umweltsysteme. Beispiele sind Modelle
für die Untersuchung von Ökosystemen, des Klimas, von
Schadstoffausbreitungen oder von Zusammenhängen zwischen Umwelt
und Wirtschaft (vgl. GRUE94).
3.2.2.10 Überwachungs-
und Kontrollsysteme
Für die automatische Erhebung
von Umweltdaten, beispielsweise im Rahmen des Umweltmonitorings,
werden Überwachungs- und Kontrollsysteme eingesetzt. Ein
wichtiges Verfahren ist die Fernüberwachung, bei der Meßwerte
vor Ort durch Sensoren erfaßt und über Meßnetze an
Informationssysteme weitergegeben werden. Luft- und
Gewässergütemeßnetze sind Beispiele hierfür. Ein
weiteres Verfahren ist die Fernerkundung über Flugzeuge oder
Satelliten. Es lassen sich zwei verschiedene Arten von
Fernerkundungssystemen unterscheiden, aktive und passive. Ein aktives
Fernerkundungssystem erzeugt selbständig elektromagnetische
Strahlung und mißt deren zurückgestrahlten Anteil. Passive
Fernerkundungssysteme sind hingegen auf fremde Strahlungsquellen
angewiesen (vgl. GUEN 94). Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet
ist die Steuerung und Regelung technischer Prozesse, beispielsweise
zur Minimierung von Schadstoffausstoß und Energieverbrauch.
3.3 Das
Wattenmeerinformationssystem WATiS
Das Wattenmeer ist ein
Naturraum von überregionaler Bedeutung, der sich an der
Nordseeküste von den Niederlanden über Deutschland bis nach
Dänemark erstreckt. Zu seinem Schutze arbeiten diese drei
Anrainerstaaten eng zusammen. Der auf deutschem Gebiet liegende Teil
des Wattenmeeres wurde sogar zum Nationalpark erklärt. Nutzung
und Schutz stehen in einem Interessenkonflikt, denn das Wattenmeer
ist auch Lebensgrundlage für viele Menschen; z.B. die
Fischereiwirtschaft oder die Tourismusbranche wirken nicht
unerheblich auf das Gesamtsystem Wattenmeer ein. Die Reaktionen des
Gesamtsystems Wattenmeer auf natürliche oder direkt vom Menschen
hervorgerufenen Störungen, aber auch Schutzmaßnahmen sind
von großem Interesse. Die hierzu laufenden Forschungsprojekte
sollen eine Wissensgrundlage schaffen, deren Elemente
Langzeitbeobachtungen ausgewählter Parameter, flächendeckende
Kartierungen sowie eine begleitende Ökosystemforschung sind. In
diesem Kontext übernimmt das Wattenmeerinformationssystem WATiS
mit der zentralen Wattenmeerdatenbank WADABA die Aufgabe der
Informationsvermittlung. Unter Information wird dabei stets der
zusammenhängende Satz von Sachdaten, geometrischen Daten und der
dazugehörigen Dokumentation verstanden. Hauptnutzer des WATiS
sind die für das Wattenmeer zuständigen Behörden, das
Umweltbundesamt und wissenschaftliche Einrichtungen. Das
Wattenmeerinformationssystem WATiS gliedert sich in zwei
Teilbereiche:
der andere beinhaltet die Zugangsmechanismen zu den gespeicherten Daten.
Die anfallenden Daten aus der
Wattenmeerforschung werden auf einem zentralen Datenbankserver
innerhalb der GKSS gehalten. Diese Datenbank mit den gespeicherten
Wattenmeerdaten hat den Namen Wattenmeerdatenbank WADABA bekommen.
Um auf diese Daten benutzergerecht zugreifen zu können,
wurden im Laufe der Hochschulkooperation mehrere Nutzerführungen
entwickelt. Diese Nutzerführungen sind mit dem Oberbegriff LOTSE
(Land Ocean Thematic Search Engine) (siehe 3.4) betitelt worden. Die
verschiedenen Versionen des Nutzerführungssystems LOTSE wurden
entwickelt, um den Benutzern außerhalb der GKSS, aber auch den
Mitarbeitern innerhalb der GKSS eine Möglichkeit zu geben, auf
die Daten der WADABA zuzugreifen.
Ein zentraler Aspekt der
ständigen Weiterentwicklungen von LOTSE ist die Datenhaltung.
Bis zu der jetzigen, neuen LOTSE-Konzeption wurde nur die zentrale
Datenbank innerhalb der GKSS betrachtet. Es war bisher nicht möglich,
auch auf andere Datenbestände zuzugreifen, die nicht in der
zentralen Datenbank gehalten werden, z.B. auf einer Datenbank, die
über das Internet erreichbar ist. Von dieser starren Haltung
möchte sich die neue LOTSE-Konzeption lösen und sich nicht
mehr vorrangig abhängig von zentralen Datenhaltungskonzepten
machen. Prinzipiell soll es möglich sein, alle an das Internet
angeschlossenen Datenquellen zu erreichen, sofern die dafür
erforderliche Metainformation und die technischen Voraussetzungen
existieren. Somit kann der LOTSE dann einen sehr hohen Grad an
Flexibilität und Universalität erreichen, die WADABA ist
dann "nur" noch eine Datenbank, die über das Internet
erreicht wird, tatsächlich aber immer noch innerhalb der GKSS
steht. Die WADABA wird aber noch lange im Mittelpunkt des WATiS
stehen, weil die darin enthaltenen Datenbestände sehr komplex
und auch vollständig sind. Die Möglichkeit der
Erreichbarkeit von anderen Datenquellen über das Internet ist
eine wesentliche Neuerung der Konzeption des LOTSE/Web. Durch die
Verwendung von Internet-Technologie ist es möglich, die starren
Zugangsmechanismen zu den betreffenden Datenquellen aufzubrechen. Die
Konzeption des LOTSE/Web schafft die Möglichkeit, auch auf
andere Datenbestände zuzugreifen als auf die Wattenmeerdatenbank
WADABA. Wie diese Datenbestände organisiert sind, soll nicht
mehr allein im Vordergrund stehen. Wichtig ist der Zugang zu den
Datenbeständen, der dann möglichst unabhängig von der
Strukturierung dieser Bestände konzipiert sein sollte. Die
Konzeption beinhaltet die Diskussion von tradionellen Datenhaltungs-
und Zugangskonzepten, aber auch neu enwickelte Konzeptionen, wie z.B.
Remote Method Invocation (RMI) und die CORBA-Architektur (Common
Object Request Broker Architecture) (siehe Kapitel 7.11).
3.3.1 Die
Wattenmeerdatenbank WADABA
Die Daten aus der
Wattenmeerforschung werden momentan auf zwei Datenbankservern
innerhalb der GKSS gehalten. Dies ist bedingt durch die zur Zeit noch
laufende Migration der WADABA von einem IBM-DB2-Datenbanksystem auf
ein relationales ORACLE-Datenbanksystem. Auf der DB2-Datenbank sind
alle Daten, die bis Ende 1996 eingeladen worden sind, enthalten. In
der ORACLE-Datenbank sollen in Zukunft alle Altdatenbestände und
die neu einzuladenden Forschungsdaten gehalten werden. Ist die
Portierung der Daten abgeschlossen, wird die DB2-Datenbank
abgeschaltet, so daß nur noch die ORACLE-Datenbank als
zentraler Speicherort aller Wattenmeerdaten verwendet wird. Die
grundlegende Organisation der Wattenmeerdatenbank wird sich durch die
Migration nicht verändern.
3.3.2 Projektorientierte
Struktur der WADABA
Beim Aufbau der WADABA waren folgende
Randbedingungenen zu erfüllen(vgl. KRAS94):
Die WADABA muß auf
neue, noch nicht bekannte Projekte erweiterbar sein.
Die einzelnen Projekte
müssen gemäß ihrer sehr unterschiedlichen
Vorgehensweise abgebildet werden.
Die Daten müssen ausreichend dokumentiert sein, um auch nach vielen Jahren interpretiert werden zu können.
Das Datenmodell muß allen Projekten eine gemeinsame topologisch komplexe und zeitlich variable Geometrie behandeln.
Daten verschiedener
Verarbeitungsstufen (Rohdaten, verarbeitete Daten,
Synthesedaten, etc.) sollen gleichzeitig in der WADABA liegen.
Teile der Datenbank müssen in mehreren Versionen vorliegen können.
Der Gesamtdatensatz - Sachdaten, Dokumentation und Geometrien - muß konsistent fortgeführt werden.
Diese Anforderungen werden
durch die Projektorientierung der WADABA erfüllt. Aus Sicht der
Datenmodellierung ist jedes Projekt die oberste, in sich
abgeschlossene Einheit. Nach außen hin stellen sich Projekte in
Form einer Kurzbeschreibung, der beteiligten Institutionen und der
verwendeten Methoden dar. Ihr inneres Verhalten hängt vom
Forschungsgegenstand und den Fragestellungen ab.
3.3.3 Sachdaten in der
WADABA
Sachdaten in der WADABA sind die eigentlichen im
Wattenmeerbereich erhobenen Daten. Allerdings können auch
aggregierte Daten aus früher erhobenen Daten in der Datenbank
gespeichert sein. Die beschreibenden Daten, die sogenannten
Metadaten, die Informationen zu den Sachdaten liefern, gehören
nicht in diese Kategorie. Die Speicherung der Sachdaten erfolgt
projektorientiert (siehe 3.3.2.). Vor Ort, d.h. dort, wo die Projekte
durchgeführt werden, werden die Daten zusammengestellt, z.B. in
Programmen wie Excel oder DBase. Daten mit Ortsbezug haben als Namen
den Positionsschlüssel, der frei vergeben werden kann. Zusammen
mit dem Projektkürzel und dem Versionsdatum bildet er eine
eindeutige Identifikation der Position. In der WATiS-Administration
werden die Daten später kontrolliert und in die WADABA
eingeladen. Das Tripel von Projektkürzel, Positionsschlüssel
und Versionsdatum ist innerhalb der WADABA eindeutig, da kein
Projektkürzel mehrfach vorkommen kann. Das Versionsdatum dient
zur Aufnahme einer sich geographisch ändernden Position in der
Zeit. Wenn z.B. an einer Position mehrere Messungen zu verschiedenen
Zeiten vorgenommen wurden, die Station aber in dieser Zeit
"gewandert" ist, bleibt die Station trotzdem die gleiche
für eventuell anfallende Vergleiche, auch wenn sie zwischendurch
an einem anderen Ort liegt. Die Insel Trischen ist ein Beispiel für
eine sich im Laufe der Zeit ändernde Position. Der Name bleibt
immer gleich, aber die geographische Lage ändert sich im Laufe
der Zeit.
3.3.4 Metadaten in der
WADABA
Zu den gespeicherten Sachdaten gibt es immer auch
beschreibende Daten, die sogenannten Metadaten. An vorderster Stelle
steht bei der Dokumentation der Projekte immer eine
Projektbeschreibung. In dieser Beschreibung werden das Ziel und die
Arbeit beschrieben, die ein Einzelprojekt durchführt oder
durchgeführt hat. Zu den Projektbeschreibungen gibt es
Institutsbeschreibungen, d.h. welches wissenschaftliche Institut an
dem betreffenden Projekt beteiligt ist. Datenschutzrechtlich wurde
mit den Erhebern abgestimmt, daß mindestens eine
Institutsadresse angegeben wird. Alle weiteren Angaben erfolgen auf
freiwilliger Basis. Neben diesen allgemeinen Informationen zu einem
Projekt gibt es spezielle Informationen zu Projekttabellen bzw. zu
den Parametern dieser Tabellen. Die Parameterbeschreibung kann z.B.
angeben, mit welcher Methode die Daten erhoben wurden, die Einheit,
in der der Parameter gemessen wurde, der prozentuale und absolute
Meßfehler, der bei der Messung aufgetreten sein kann.
Datenbankinterne Angaben zur Speicherung des Parameters, wie z.B. der
Spaltentyp (z.B. varchar2, char, integer, long, etc.), werden im
datenbankeigenen Data-Dictionary gehalten. Diese Metadaten zu den
Projekten werden von einem separaten Datenbank-Benutzer DOKUMENT in
der Datenbank verwaltet. Man kann deshalb von einem speziellen
Datenbankbereich sprechen, in dem die Metadaten gespeichert sind.
Alle beschreibenden Daten von Projekten werden in diesem Bereich
gehalten. Hier gibt es verschiedene Tabellen, die z.B. die
Projektbeschreibungen aufnehmen oder die Methoden, mit der Daten
erhoben wurden, näher beschreiben. Die projektorientierte
Struktur der WADABA macht es möglich, z.B. verschiedene
Methodenbeschreibungen in einer Tabelle, die nach Projektkürzeln
geordnet ist, zu speichern.
3.3.5 Koordinaten in der
WADABA
Die Speicherung der Ortsbezüge geschieht im
WATiS ebenfalls in einem separaten Datenbereich. Wichtigstes
Erkennungsmerkmal ist hier die Position, die aus Projektkürzel,
Positionsschlüssel und Datum der ersten Gültigkeit besteht.
Die Koordinaten werden als zweidimensionale geographische Längen-
und Breitenangaben auf dem Ellipsoiden des Europäischen Datums
abgelegt. Positionen können Punktstationen (Messpunkte), Linien
(Hochwasserlinie) oder Flächen (Inseln) sein. Eine Punktstation
besteht aus dem Positionsschlüssel und einer geographischen
Koordinate in Längen- und Breitengrad. Eine Linie ist ein
Vektor, bestehend aus einem Punkt wie in einer Punktstation, und
einer Menge von Folgepunkten. Durch die Verbindung der einzelnen
Punkte entsteht eine Linie mit einem Anfangspunkt und einer Menge von
Fortsetzungspunkten. Sind der Anfangspunkt und der letzte Punkt
identisch, handelt es sich um einen geschlossenen Linienzug, d.h.
also um eine Fläche. Die Identifikation der Fläche
geschieht durch einen Objektindikator, der innerhalb des Linienzuges
liegt. Theoretisch sind damit alle Kombinationen von Positionen
möglich. Es kann eine große Fläche mit einer
kleineren innerhalb dieser großen Fläche geben, es kann
Linien an einer Fläche geben, etc.
In der Datenbank jedoch
wird beim Einladen von Koordinaten eine grobe Rasterung in
sogenannten Kacheln durchgeführt, um z.B die Suche nach
Positionen und deren graphische Darstellung zu vereinfachen. Jede
Kachel entspricht dem Sechzehntel einer topographischen Karte im
Maßstab 1:25000, so daß sich eine Kantenlänge von
etwa 3x3 km für jede Kachel ergibt. Für die Gesamtfläche
folgt eine Rasterung in 107 x 108 Kacheln. Die einzelnen Kacheln sind
durchnumeriert. In der Metadatentabelle POSKACLIST
(Positions-Kachel-Liste) wird jeder Position eine Kachelnummer
zugewiesen. Dadurch ist es möglich, über den
Positionsschlüssel und die Kachelnummer die Lage einer Position
mit eingeschränkter Genauigkeit zu ermitteln, ohne auf die
Koordinaten der Position zugreifen zu müssen. Für den
umgekehrten Weg von den Positionen zu den Sachdaten gilt die gleiche
Einschränkung der Genauigkeit.
3.3.6 Der Menübaum
Der Menübaum der WADABA ist das Strukturelement, das die
Grundlage für die navigierende Komponente für den Zugriff
auf die projektspezifischen Sachdaten bildet. Alle Projekte, zu denen
Daten in der WADABA gespeichert sind oder gespeichert werden sollen,
werden in den Menübaum eingetragen. Es ist möglich, daß
für Projekte beschreibende Daten vorhanden sind, aber noch keine
Sachdaten vorliegen, da das Projekt z.B. noch nicht abgeschlossen
ist. In diesem Fall kann die beschreibende Information für das
Projekt schon vorher aufgenommen werden und die Aufnahme der
Sachdaten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Der
Menübaum besitzt zwei Einstiegspunkte: Projekt und Thema. Beide
Einstiege haben eine voneinander getrennte eigene Baumstruktur. Die
Blätter beider Teilbäume sind die Projekte. Der Menübaum
ist zyklenfrei. Man kann den Menübaum auch als eine Art
Schlagwortverzeichnis betrachten. Jedes Projekt wird durch eine
Anzahl von Schlagwörtern klassifiziert. Darum ist es im Menübaum
möglich, daß Projekte mehrmals als Blätter vorkommen
können, da sie verschiedenen Schlagwortkombinationen zugeordnet
werden können. Daher ist der Menübaum im
graphentheoretischen Sinne nicht als Baum einzuordnen. Werden jedoch
die Blätter (die Projekte) weggelassen, besitzt jeder Knoten
genau einen Vorgängerknoten. Alle bisherigen LOTSE-Versionen
benutzen den Menübaum als zentrale Navigationskomponente bei der
Datenrecherche. Der Menübaum ist von der WATiS-Administration
beliebig erweiterbar und ermöglicht so die Eingliederung neuer
Projekte in die Baumstruktur. Für die Eingliederung von neuen
Projekten sind aber nicht zwangsläufig neue Schlagwörter
notwendig. Abbildung 1 zeigt die schematische Darstellung des
Menübaums.
Abb. 1: Menübaum
3.4 LOTSE
Bislang sind vier Benutzerführungssysteme für das WATiS
entwickelt worden. Der LOTSE (MVS) und der LOTSE V2 als
Terminalanwendungen, das McWATiS für Apple-Macintosh-Rechner und
der LOTSE/p als eine plattformunabhängige Konzeption, deren
Realisierung, bedingt durch Schwächen der Entwicklungstools,
sich als nicht problemlos portierbar herausstellte. Mit der rasanten
Entwicklung der Internet-Technik ergab sich eine neue Alternative zur
Erstellung einer neuen Nutzerführung LOTSE/Web. Diese
Nutzerführung hat den Vorteil, daß sie prinzipiell nicht
plattformabhängig ist und so noch mehr potentiellen Nutzern zur
Verfügung gestellt werden kann.
3.4.1 LOTSE(MVS) und
LOTSE V2
Der LOTSE (MVS) ist ein Benutzerführungssystem,
das für die direkt an den Großrechner der GKSS
angeschlossenen Datenterminals oder entsprechenden
Terminalemulationen entwickelt wurde. Die Benutzungsschnittstelle
wurde mit dem Dialogmanager Integrated System Productivity Facility
(ISPF) unter dem Betriebssystem MVS/TSO implementiert. Eine
menügesteuerte Oberfläche leitet den Benutzer zu den
gewünschten Daten. Die Information zur Führung der Benutzer
bezieht das System aus dem Menübaum (siehe Abb. 1). Damit wird
sowohl die projekt- als auch die themenbezogene Suche der Daten
ermöglicht. Nach Auswahl eines Projektes kann dessen
Beschreibung angezeigt werden. Die für die Datenzugriffe
notwendigen SQL-Statements werden automatisch generiert, so daß
der Benutzer keine Kenntnisse über die Struktur der Daten oder
über eine Abfragesprache, in diesem Fall SQL, haben muß.
Optional ist es möglich, eigene SQL-Statements zu erstellen, um
so Zugriff auf die Daten zu bekommen. Der LOTSE (MVS) wurde
weiterentwickelt zum LOTSE V2 mit der Möglichkeit, die
Datensuche auf benutzerdefinierte Bereiche einzuschränken. Der
gesamte Suchbereich kann als ein vierdimensionaler Suchraum aufgefaßt
werden. Der LOTSE V2 ermöglicht es, innerhalb dieses Suchraumes
durch sogenannte Projektionen den Sichtbarkeitsbereich für die
Ausgabe der Daten einzuschränken (vgl. WINT94). Zur Durchführung
von Projektionen wird zunächst der Suchraum erstellt, in dem
Informationen über Projekte gespeichert werden. Dieser Suchraum
besitzt vier Dimensionen: Ort, Zeit, Projekt und Thema. Es wird für
alle Projekte bestimmt, an welchen Orten sie zu welcher Zeit gültig
sind. Realisiert wurde dieser Raum in Tabellen im Datenbanksystem
DB2. Auf diesen Raum wird aus Programmen des LOTSE V2 zugegriffen.
Die Portierung des Suchraums von dem Datenbanksystem DB2 auf das
Datenbanksystem ORACLE ist noch nicht abgeschlossen, so daß
diese Funktionalität noch nicht für den LOTSE/Web zur
Verfügung steht.
Abb. 2: LOTSE V2 Hauptmenü
3.4.2 McWATiS
Die Benutzungsführung McWATiS wurde auf einem Apple
Macintosh unter der Programmierumgebung Hypercard entwickelt. McWATiS
nutzt die Bedienfreundlichkeit des Apple Macintosh und ist mit einer
graphischen Benutzungsschnittstelle versehen. Es stellt den Benutzern
eines Apple Macintosh die Funktionalität des LOTSEn zur
Verfügung. Zusätzlich ist eine ortsbezogene Datensuche im
McWATiS möglich. Diese wird durch den Benutzer mit Hilfe der
Maus in Graphiken topographischer Karten, mit unterschiedlichen
Maßstäben, durchgeführt. Grundlage des McWATiS ist
die Einrichtung einer lokalen Datenbank unter dem RDBMS ORACLE. Der
Benutzer muß sich die von ihm benötigten Daten aus der
WADABA in die lokale Datenbank kopieren, um eine Datensuche
durchführen zu können. Eine Verbindung zum Zentralrechner
ist nur zum Laden oder Aktualisieren der Daten im lokalen
Datenbestand nötig. Dieses Konzept der lokalen Datenhaltung
wurde entworfen, um das System auch betreiben zu können, wenn
keine Datenbankverbindung besteht. McWATiS erfüllte nur die
Funktion einer prototypischen Benutzungschnittstelle und ist über
dieses Stadium hinaus nicht weiterentwickelt worden (vgl. WILL93).
Abb. 3: McWatis
3.4.3 LOTSE/p
Durch die Wahl der Entwicklungskomponenten des McWATiS sind zu
enge Leistungsgrenzen aufgetreten, um dieses System endgültig
einführen zu können. Zudem mangelt es der Oberfläche
an Flexibilität. Das System ist zudem auf die Rechnerfamilie
Apple Macintosh beschränkt. Diese und weitere Gründe (vgl.
OSWA95) führten zur Entwicklung eines neuen, portierbaren
Benutzerführungssystems LOTSE/p. Den Rahmen für die zu
erreichende Funktionalität bildeten teilweise die bisher
entwickelten Systeme. Der LOTSE/p wurde auf einem Apple Macintosh
entwickelt und sollte auf andere Betriebssysteme, vorzugsweise auf
Unix-Workstations, übertragbar sein. Die Portierung ermöglicht
eine weite Verbreitung innerhalb der Anwendergruppe, so daß die
Benutzer ihre gewohnten Fenstersysteme weiterhin verwenden können.
Um einen hohen Grad an Portierbarkeit zu gewährleisten, wurde
das Graphical-User-Interface(GUI)-Tool XVT zur Implementation der
Oberfläche herangezogen. Im nachhinein erwies sich das Portieren
auf andere Betriebssysteme als äußerst zeitaufwendig, so
daß nur eine Implementation des LOTSE/p auf der Plattform Apple
Macintosh existiert.
Abb. 4: LOTSE/p
3.4.4 Vergleich der
bisherigen LOTSE-Versionen
Einen Vergleich der bisher
entwickelten LOTSE-Nutzerführungen bietet die folgende Tabelle.
Sie stellt Eigenschaften von LOTSE V2, McWatis und LOTSE/p gegenüber.
|
|
LOTSE V2 |
McWATiS |
LOTSE/p |
|
graphische Benutzungsschnitt-stelle |
nein |
ja |
ja |
|
Zugang über das Internet |
ja (über Terminalemulation) |
nein |
nein |
|
lokale Datenhaltung möglich |
nein |
ja |
ja |
|
portabel |
nein |
nein |
ja (mit Einschränkungen) |
|
Einschränkung des Sichtbarkeitsbereiches von Daten |
ja |
nein |
nein |
|
Plattform |
MVS |
lauffähiger Prototyp auf Apple Macintosh |
lauffähiger Prototyp auf Apple Macintosh |
Tab.1 : Eigenschaften von LOTSE V2, McWATiS, LOTSE/p
4
Das Internet
Das Internet ist das größte
Computer-Netzwerk der Welt. Es birgt ein ungeheuer großes
Potential an Informationen und Daten, die größtenteils
kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Ursprünglich nur
im Bereich der Hochschulen verbreitet, erkennen immer mehr Firmen den
Nutzen eines Anschlusses an das Internet. Besonders in Übersee
wird das Internet mehr und mehr für wirtschaftliche
Transaktionen benutzt, während in Europa die kommerzielle
Nutzung des Internet noch weitgehend in den Kinderschuhen steckt.
4.1 Entwicklung und
Historie des Internet
In den späten 60er Jahren
begann in den USA die staatliche Unterstützung von Experimenten
zur Vernetzung von Computern. Die Advanced Research Projects Agency
(ARPA, ab 1972 Defense Advanced Research Projects Agency DARPA), die
dem amerikanischen Verteidigungsministerium unterstellt ist,
forcierte mit erheblichen finanziellen und personellen Mitteln die
Entwicklung im Bereich der Rechnervernetzung. Es ist kein Zufall, daß
ausgerechnet das US-Verteidigungsministerium die Initiative ergriff:
Das Ministerium war stark daran interessiert, über ein
Kommunikationsmedium zu verfügen, das auch unter ungünstigen
Bedingungen die Übertragung von Daten zuverlässig
gewährleistet. Selbst beim Ausfall von Teilen des Netzes sollte
das System funktionsfähig bleiben. Neben der militärischen
Anwendung eröffnete die Vernetzung von Computern im
wissenschaftlichen und auch immer mehr im kommerziellen Bereich
völlig neue Anwendungsmöglichkeiten. Um bestimmte
wissenschaftliche Probleme mit Hilfe von Rechnern zu lösen, sind
oft Maschinen mit sehr großer Rechenleistung erforderlich. Zu
der damaligen Zeit begann erst das Zeitalter der Integrierten
Schaltungen und der damit einsetzende Miniaturisierungsprozeß,
der wachsende Rechenleistung bei kleinerer Bauweise erst ermöglichte.
Über ein Rechnernetz ist es möglich, von beliebigen Stellen
im Netz Kontakt zum Großrechner aufzunehmen. An welchem Ort
sich dieser Rechner befindet, spielt keine Rolle mehr. Allgemein
ermöglicht die Vernetzung von Rechnern die Nutzung aller im Netz
vorhandenen Ressourcen. Unterschiedliche Hardware, Software, Daten
und Peripheriegeräte können von allen Netzteilnehmern
gemeinsam und unabhängig vom jeweiligen Standort genutzt werden.
Dementsprechend war das erste Entwicklungsziel der ARPA, einige
wenige an geographisch unterschiedlichen Punkten verteilte,
verschiedenartige Hostrechner miteinander zu verbinden.
Physikalisch
wurde das Netz über angemietete Leitungen mit einer
Übertragungsrate von 50 Kbit/s realisiert. Um den diversen
Rechnersystemen Rechnung zu tragen, wurden eigene kleine Rechner,
sogenannte IMP´s (Interface Message Processor), den jeweiligen
Rechnern vorgeschaltet. Diese gleichartigen IMP´s bildeten,
miteinander vernetzt, das eigentliche Netzwerk. Die Hostrechner
kommunizierten miteinander über den ihnen zugeordneten IMP. Die
IMP´s ihrerseits waren dabei nur für den Transport der
Nachrichten zwischen den Hosts verantwortlich. Die ersten
Herausforderungen waren: 1. ein Subnetz aus Telefonleitungen und
Vermittlungsknoten aufzubauen, das Resource Sharing erlaubte, 2. die
erforderlichen Protokolle zu verstehen, zu gestalten und für die
unterschiedlichen Rechnertypen zu implemetieren, um die neuen
Subnetze zur Kommunikation nutzbar zu machen.
Ende 1969 war eine
erste Implementierung von TELNET, dh. Durchführung von Sitzungen
auf entfernten Rechnern, und von FTP, d.h. Transfer von Dateien
zwischen entfernten Rechnern, vorhanden. Damit war das sogenannte
Arpanet geboren, das sich durch viele Verbesserungen von einem
Laborexperiment zu einem funktionsfähigen System entwickelte.
Als das Arpanet bereits einsatzfähig war, begann die ISO
(International Standards Organisation) mit der Normierung von
Netzwerken. Die allgemeinen Erfahrungen bei der Entwicklung des
Arpanet gingen zwar mit in die Normierung ein. TCP/IP wurde
allerdings kein ISO-Standard. Dennoch behauptet sich TCP/IP bis heute
als das Übertragungsprotokoll schlechthin, auch außerhalb
der USA. Der Grund hierfür liegt wieder in einem Beschluß
der US-Regierung, den Einsatz von offenen Systemen in staatlichen
Organisationen und vom Staat geförderten Projekten
vorzuschreiben. Als offene Betriebssystemumgebung wurde UNIX
gefordert. Die US-Regierung entschied sich für den Einsatz von
Berkeley UNIX (BSD, Berkeley Software Distribution) und gegen die
AT&T Version, weil sowohl TCP/IP als auch die darauf basierenden
Anwendungen, z.B FTP, Telnet, Teil des BSD-Betriebssystems waren.
UNIX setzte sich sehr schnell als Betriebssystem in offenen
Umgebungen durch. Damit war der Grundstein für die Verbreitung
von TCP/IP als Übertragungsprotokoll gelegt.
Mitte der 80er
Jahre begann die amerikanische National Science Foundation (NSF),
Interesse am Internet zu zeigen. Um allen amerikanischen
Universitäten den Zugang zum Internet zu ermöglichen,
gründete sie das NSFNET. Um immer mehr Institutionen
anzuschließen und einem immer weiter zunehmenden Verkehr
gerecht zu werden, wurde ein System auf Backbones realisiert, das die
großen Rechenzentren miteinander verband. Damit übernahm
die NSF immer mehr die Aufgaben des Arpanet, das schließlich
Ende 1989 vom US-Verteidigungsministerium aufgelöst wurde. Auch
in Europa bestand die Notwendigkeit, Universitäten und
Forschungseinrichtungen eine schnelle und kostengünstige
Kommunikationsinfrastruktur bereitzustellen. In Analogie zum
NSF-Backbone der USA wurde 1992 Ebone, der Europäische
Internetbackbone, in Betrieb genommen. Mittlerweile erfreut sich das
Internet immer größerer Beliebtheit und vermeldet täglich
eine Steigerung der Benutzerzahlen. Auch immer mehr private Nutzer
tauchen in die Welt des Internet ein, um auch auf diese Weise ihr
Informationsbedürfnis stillen zu können. Um die steigende
Zahl der Internetnutzer verkraften zu können, wird ständig
an der Technik des Internet gearbeitet. Das wichtigste Argument ist
hier die Geschwindigkeit: Immer schnellere Netze werden gebraucht, um
den Datenverkehr im Internet nicht zum Erliegen zu bringen.
4.2 Informationsdienste
im Internet
In diesem Kapitel werden einige ausgewählte
Informationsdienste im Internet vorgestellt. Einige dieser
Informationsdienste haben mittlerweile an Bedeutung verloren, wie
z.B. Gopher und WAIS. Diese Informationsdienste sind zwar immer noch
im Internet vertreten, doch treten sie langsam in den Hintergrund. In
einem scheinbar nicht endenden Boom befindet sich das World Wide Web
(WWW). Aktuelle Informationen werden fast nur noch über das WWW
präsentiert. Dienste wie E-Mail und FTP sind da eher von
unspektakulärer Natur. Sie sind aber äußerst effektiv
und werden von fast allen Nutzern des Internet angewandt (vgl.
LIU96).
4.2.1 E-Mail
Electronic Mail, oder kurz E-Mail, erlaubt den Austausch von
Nachrichten über das Internet.Voraussetzung für die
weltweite Kommunikation über E-Mail ist die Eindeutigkeit von
Mailadressen. Im Internet ist durch das Domain Name System (siehe
4.4) die Eindeutigkeit von Rechnernamen gewährleistet. Da auf
Rechnern Benutzeraccounts eindeutig sein müssen, liegt es doch
sehr nahe, die Kombination Benutzername/Domainname als eindeutige
Identifizierung für Mailadressen zu verwenden. Als Schreibweise
wurde das Schema user@domain eingeführt. Ein Beispiel einer
gültigen Maildresse ist Norman.Wolff@gkss.de. Der größte
Vorteil von E-Mail ist die Geschwindigkeit. Braucht ein Brief mit der
traditionellen Post in die USA u.U. mehrere Tage, so ist eine E-Mail
mitunter schon nach wenigen Minuten am Bestimmungsort. Wenn
allerdings unverschlüsselte E-Mails verschickt werden, kann sich
der Benutzer nicht sicher sein, wer alles seine Nachrichten mitliest.
4.2.2 FTP
Das
File Transfer Protocol (FTP) ist das am häufigsten verfügbare
Verfahren zur Dateiübertragung im Internet. Es ähnelt dem
Anmelden auf einem fernen Rechner, wobei die Benutzer nur eine
beschränkte Anzahl von Kommandos ausführen bzw. bei
Anonymous-FTP nur auf eine begrenzte Menge von Dateien zugreifen
können. Die öffentlich zugänglichen Archive werden
Anonymous-FTP-Archive genannt, da sich dort beliebige Benutzer
einloggen können (wobei die E-Mail-Adresse als Paßwort
eingegeben wird). Die Suche nach bestimmten Dateien gestaltet sich
als äußerst unkomfortabel und langwierig, wenn der Platz
im Filesystem nicht bekannt ist, so daß dieses als größtes
Manko von FTP angesehen werden kann.
4.2.3 Telnet und Finger
Telnet ermöglicht es, eine Verbindung zu einem fernen System
aufzubauen, als würde man sich von einem angeschlossenen
Terminal aus anmelden. Die Internet-Dienste, die im allgemeinen über
Telnet angeboten werden, unterscheiden sich nicht von Diensten, die
durch direktes Einwählen in ein System, z.B. über Modem,
verfügbar sind. Finger wurde dazu entwickelt, Informationen über
die Benutzer auf einem fernen Rechner zu liefern, wie z.B. den
vollständigen Namen, der zu einer E-Mail-Adresse gehört.
4.2.4 Gopher
Im
Gegensatz zu FTP erleichtert Gopher die Orientierung in der Welt der
Informationsressourcen. Der Gopher-Client präsentiert ein Menü
mit Texteinträgen, aus dem der Benutzer einfach einen Menüpunkt
anwählt und damit unter Umständen in ein anderes Menü
geführt wird, so lange, bis der Benutzer die gewünschte
Information erhalten hat. Gophers Einschränkungen zeigen sich an
der begrenzten Zahl der unterstützten Dateiformate und Dienste,
auf die er verweisen kann. Im Moment ist es Gopher lediglich möglich,
ASCII-Texte auszugeben, wenngleich auch binäre Datenübertragung
möglich ist, wobei diese Daten von anderer Software angezeigt
werden muß. Gopher bietet Querverweise auf FTP-Archive,
WAIS-Datenbanken und Telnet-Dienste.
4.2.5 WAIS
Das
Wide Area Information Service (WAIS) dient in erster Linie zur
Datenrecherche als zur Datenrepräsentation. WAIS durchsucht die
Dokumente auf einer Reihe von Servern nach einem oder mehreren
Stichwörtern und liefert als Ergebnis zu jedem Dokument eine
Bewertung, die umso höher ausfällt, je besser ein Dokument
den Suchkriterien entspricht. WAIS arbeitet auf Daten, die es vorher
indiziert hat, so daß durch Benutzeranfragen angestoßene
Suchvorgänge entsprechend ablaufen. Das WAIS ist, wie auch
Gopher, kaum noch im Internet vertreten. Lediglich ältere
Datenbestände werden über diese Dienste angeboten. Es ist
nur eine Frage der Zeit, bis diese Datenbestände über das
WWW verfügbar gemacht werden. Ein Grund hierfür ist die
Attraktivität des WWW. Als spektakulärster Internetdienst
vereint es fast alle Funktionen der übrigen Dienste und macht es
so natürlich benutzerfreundlicher.
4.2.6 Usenet
Das
Usenet stellt einen Dienst zur Verfügung, der das Übermitteln
und Verteilen von Nachrichten zur Verfügung stellt. Dieser
Dienst ist in sogenannten Gruppen organisiert. Jede Gruppe
repräsentiert ein Sachgebiet, über das die Usenet-Benutzer
diskutieren können. Es gibt zu fast allen Themen, die man sich
vorstellen kann, eine sogenannte Newsgroup. Der Vergleich mit einer
Zeitung ist erlaubt, präsentiert sich doch eine Gruppe wie eine
weltweit einsehbare Zeitung, die jedoch den unschätzbaren
Vorteil hat, daß sie zu jeder Zeit und von jedem
Internet-Benutzer aktualisiert werden kann.
4.2.7 Konzepte des World
Wide Web (WWW)
Das World Wide Web (WWW) ist der neueste
und leistungsfähigste Informationsdienst im Internet. Das WWW
integriert die meisten anderen Informationsdienste in verständlicher
und leicht anwendbarer Weise. Bisher benötigte man einen
FTP-Client für den Zugriff auf FTP-Archive oder einen
Gopher-Client für einen Gopher-Server. Ein WWW-Browser bietet
unter anderem Zugang zu diesen Diensten. WWW-Dokumente werden in der
Sprache HTML (HyperText Markup Language) geschrieben. Die Rohfassung
eines WWW-Dokuments bestehet aus (Plain)-Text, der durch
Formatierungsanweisungen ergänzt wird. Über das Protokoll
HTTP (HyperText Transfer Protocol) tauschen Server und Clients
HTML-Dokumente untereinander aus. Ein graphischer WWW-Browser bringt
das vom WWW-Server entgegengenommene HTML-Dokument in eine
ansprechende Form, indem er die von den HTML-Anweisungen festgelegten
Formatierungen durchführt. Das WWW wurde ursprünglich am
Europäischen Zentrum für Hochenergiephysik CERN in Genf
entwickelt. Die Entwicklung begann 1989, und ein Schwerpunkt der
ersten Arbeiten war die Definition des Client/Server-Protokolls HTTP.
4.2.7.1 Querverweise
(Hyperlinks)
Die Navigation im WWW wird von sogenannten
Querverweisen (Hyperlinks, kurz: Links) dominiert. Diese Links sind
in WWW-Dokumenten eingebettet und erleichtern so das Navigieren. In
graphischen WWW-Browsern kann sich der Benutzer mit Hilfe der Maus
durch das WWW bewegen, ohne auch nur eine einzige Tastatureingabe
vorzunehmen. Es ist jedoch auch möglich, sich durch das WWW zu
bewegen, indem man seine Zieladressen manuell dem Browser übergibt.
Dies scheint etwas umständlich, hat aber den Vorteil, daß
man auch tatsächlich zu seinem Ziel gelangt. Sind nämlich
auf einem WWW-Dokument keine Links eingebettet, dann kann man die
ganze Funktionalität der Hyperlinks nicht ausnutzen. Es ist
möglich, daß ein Link auf dasselbe WWW-Dokument, auf dem
man sich gerade befindet, zeigt, nur auf eine andere Position.
Weiterhin kann ein Link auf ein WWW-Dokument verweisen, das auf dem
gleichen WWW-Server liegt oder aber auch auf ein WWW-Dokument, das
auf einem ganz anderen WWW-Server liegt. Diese Funktionalität
erleichert das Navigieren für den Benutzer im WWW erheblich.
4.2.7.2 Hypertext
Wie im vorigen Abschnitt angedeutet, findet innerhalb des WWW das
Hypertext-Konzept Verwendung. Unter Hypertext versteht man eine
nichtlineare Folge von Text. Im Gegensatz zu herkömmlichem Text,
der linear gelesen wird, ermöglicht Hypertext eine flexiblere
Organisation des Textes, indem Referenzen zwischen verschiedenen
Textteilen (Knoten) verwendet werden, um weitergehende Informationen
zu erhalten. Der Text ist in Form eines Netzes organisiert, wobei
jeder Knoten textuelle Informationen beinhaltet und jede Verbindung
auf weitere textuelle Informationen referenziert. Der jeweilige
Benutzer eines solchen Hypertext-Dokumentes bestimmt, welchen der
möglichen Referenzen er folgen möchte. Der Eindruck des
Benutzers, sich frei durch die Verfügung stehenden Informationen
zu bewegen, ist eines der wesentlichen Kriterien für Hypertext.
Abb. 5: Eine einfache
Hypertextstruktur
4.2.7.3 Hypertext Markup
Language (HTML)
Im WWW werden ASCII-Textdokumente mit
einer Auszeichnungssprache markiert, die als Hypertext Markup
Language (HTML) bezeichnet wird. Dieses ist eine Erweiterung des eben
beschriebenen Hypertext-Konzepts. Ein Knoten innerhalb eines
HTML-Dokumentes kann nicht nur textuelle Referenzen enthalten,
sondern auch sogenannte multimediale Information. Ausgangspunkt für
eine Referenz können dann beispielsweise Teile von Bildern,
Animationen, Video oder Text sein. Diese Erweiterung des
Hypertext-Konzepts wird auch als Hypermedia bezeichnet. Mit dieser
Auszeichnungssprache lassen sich Textformatierungen vornehmen, die
die Struktur des Dokuments, wie z.B. die Hyperlink-Funktionalität,
beschreiben. Die Formatierungen werden im allgemeinen als Tags
bezeichnet. Ein Hyperlink-Tag in einem WWW-Dokument sieht dann z.B.
so aus:
<A
HREF="http://www.norman.wolff/intro.html">Hyperlink zum
Dokument intro.html auf dem WWW-Server www.norman.wolff</A>.
Der WWW-Server interpretiert das HTML-Dokument und stellt dann
dem Benutzer die Hyperlink-Funktionalität zur Verfügung. In
dem obigen HTML-Fragment wird der Tag <A
HREF=><A> zur Darstellung von Hyperlinks
benutzt. Es ist nicht zwingend notwendig, daß WWW-Dokumente in
HTML abgefaßt werden müssen. Der Nachteil von nicht
strukturierten Textdokumenten ist jedoch, daß bis auf die in
dem Text vorhandene Information keine weitere Funktionalität zur
Verfügung gestellt werden kann. Eine komplexe Einführung in
HTML findet sich z.B. in EISE96.
4.2.7.4 Uniform Resource
Locator (URL)
Das Konzept der Uniform Resource Locator
(URL) bietet eine Möglichkeit, um Ressourcen im Netz auf eine
einheitliche Art und Weise zu identifzieren. Da URL´s nicht nur
von Maschinen interpretiert werden sollen, sondern auch von Menschen,
hat man sich zu einer kurzen und verständlichen Schreibweise
entschlossen. Die URL soll aus druckbaren Zeichen ohne Leerzeichen
bestehen. Um eine bestehende Ressource im Netz zu beschreiben,
benötigt man im wesentlichen drei Informationen. Diese sind eine
Zugriffsmethode, ein Rechnername und ein Verzeichnis- oder Dateiname.
Eine gültige URL ist z.B. http://www.norman.wolff/intro.html.
Hierbei ist die Zugriffsmethode http, der Servername ist
www.norman.wolff und das gewünschte Dokument ist mit intro.html
betitelt. Neben der Zugriffsmethode http erstreckt sich das
URL-Konzept auch auf andere Inter-Protokolle, wie z.B. Gopher, FTP
und Telnet. Unterschieden werden weiterhin absolute und relative
URLs. Absolute URLs geben vollständig an, wie eine Datei zu
erreichen ist. Relative URLs dagegen verweisen auf Dokumente, die auf
dem gleichen Server liegen, wie das aktuelle Dokument.
4.2.7.5 WWW-Browser
In der Client/Server-Umgebung des WWW steuert der WWW-Browser
(kurz Browser) die Abläufe. Er fordert über die anfängliche
URL ein WWW-Dokument an, interpretiert die HTML-Anweisungen und
präsentiert dem Benutzer das WWW-Dokument unter Ausnutzung aller
Möglichkeiten, die die jeweilige Umgebung zur Verfügung
stellt. Unterschieden wird zwischen graphikfähigen Browsern, die
graphische Elemente darstellen können und Browsern, die nur in
einer Textumgebung arbeiten. Beide Browser haben ihre Berechtigung,
die graphischen aufgrund ihrer Möglichkeit, die Funktionalität
des WWW weitesgehend auszunutzen, die Text-Browser, die den Zugang
zum Internet z.B. auch auf Text-Terminals möglich machen. Im
weiteren Text wird jedoch von einem graphischen WWW-Browser
ausgegangen. Der Browser ist also die Schnittstelle zwischen Benutzer
und Internet. Mit Hilfe des Browser navigiert sich der Benutzer durch
das Internet zu seinem gewünschten Ziel. Das Verhalten des
Browser ergibt sich aus dem WWW-Dokument, das er im Moment geladen
hat. Sind in dem WWW-Dokument z.B. HTML-Formatierungen enthalten, die
eine Graphikdatei anzeigen und eine Audiodatei abspielen ermöglichen
sollen, so wird der Browser dies tun, soweit er dazu in der Lage ist.
Browser gibt es praktisch für alle Rechnerplattformen. Somit ist
die Nutzung des WWW unabhängig vom Rechner, solange er TCP/IP
unterstützt und eine IP-Verbindung zum Internet besitzt (siehe
4.3).
4.2.7.6 WWW-Server
Die Server Software, die beim WWW zum Einsatz kommt, wird als
WWW-Server oder Web-Server bezeichnet. Dem WWW-Server ist
standardmäßig die Portnummer 80 zugeordnet. Wenn nun ein
Client ein bestimmtes Dokument anfordert, holt der Server dieses
Dokument und schickt es zum Client zurück. Der Web-Server macht
im Grunde nichts anderes, als angeforderte Dokumente zurückzuschicken
oder eine spezielle Art von Skripten auszuführen. WWW-Dokumente
sind üblicherweise statische Elemente, wie z.B. HTML-Seiten,
Grafikdateien oder Audiodateien. Dies hat den Vorteil, daß sie
vom Web-Server dem Benutzer relativ schnell verfügbar gemacht
werden können. Der Nachteil jedoch ist, daß nicht alle
lokalen Informationsquellen in das WWW-Schema mit statischen
Elementen passen. Wenn der Inhalt einer Datenbank im WWW präsentiert
werden soll, hat es keinen Sinn, diese Informationen auf statische
HTML-Seiten zu legen. Der Platzbedarf könnte zu groß
werden, und auch die Suchmöglichkeiten sind in diesem Fall stark
eingeschränkt.
Gateways bieten durch einen
Erweiterungsmechanismus für das WWW eine Lösungsmöglichkeit
für solche Probleme. Ein Gateway formt eine Informationsquelle,
die nicht in das WWW-Schema paßt, so um, daß sie für
den Browser wie eine Datei auf dem Web-Server erscheint. In der
Praxis ist ein Gateway einfach ein Skript oder ein Programm, das über
den Web-Server Benutzereingaben entgegennehmen kann und z.B.
HTML-Code, eine URL oder andere Daten zum Benutzer über den
Web-Server zurückschickt. Der Mechanismus zur Kommunikation
zwischen Gateway und Web-Server wird als Common Gateway Interface
(CGI) bezeichnet (siehe 7.11.1).

Abb. 6: HTML-Dokument mit
vollständigem Header
Web-Server und Browser
unterstützen noch viele andere Typen, etwa image/gif. Bei
HTTP/1.0 sendet ein Browser mit jeder Anforderung einer Seite vom
Web-Server eine Liste der MIME-Typen, die er unterstützt. Anhand
dieser Angaben versucht der Web-Server nur solche MIME-Typen zu
schicken, die der Browser-Client auch unterstützt. Der
Web-Server sendet daraufhin zunächst den MIME-Typ der
übermittelten Datei, eine Leerzeile und im Anschluß daran
die eigentlichen Daten. Beim MIME-Typ text/plain oder text/html
interpretiert der Browser die Daten selbst und zeigt sie am
Bildschirm an. Bei anderen Typen entscheidet er anhand der
MIME-Informationen, zu welchem externen Darstellungs- oder
Abspielprogramm die Daten jeweils weiterzuleiten sind.
4.3 Protokolle im
Internet
Welche Protokolle sind dafür
verantwortlich, daß die Kommunikation im Internet reibungslos
verläuft ? Die Protokollsuite, die die Verständigung erst
möglich macht, heißt TCP/IP. Diese Abkürzung steht
für Transmission Control Protocol/Internet Protocol, was
eigentlich nur die beiden am häufigsten verwendeten Protokolle
der Suite bezeichnet. Jeder Rechner im Internet unterstützt
TCP/IP. Wenn Rechner A in Hamburg und Rechner B in Los Angeles die
Kommunikation über die TCP/IP-Protokolle unterstützen und
beide an Netze angeschlossen sind, die eine Verbindung über
TCP/IP aufbauen können, dann sollten diese Rechner auch in der
Lage sein, miteinander Daten auszutauschen. Netzprotokolle bestehen
aus Folgen binärer Daten, die in Gruppen zu sogenannten Paketen
zusammengefaßt werden. Diese Pakete werden über Medien,
wie Koaxialkabel, Glasfaserkabel oder Telefonleitungen in Form von
elektrischen oder optischen Signalen übertragen. Bestimmte
Pakettypen enthalten Daten, während andere den Empfang von Daten
bestätigen. Die Protokolle in der TCP/IP-Suite sind geschichtete
Protokolle. Dies bedeutet, daß sich die Protokolle der Suite
die verschiedenen Aufgaben teilen.
In diesem Abschnitt werden die
drei wesentlichen Protokolle der Suite behandelt: das Internet
Protocol IP, das Transmission Control Protocol TCP und das User
Datagram Protocol UDP.
4.3.1 Das Internet
Protocol IP
Das Internet Protocol bildet die Basis für
die beiden anderen größeren Protokolle der TCP/IP-Familie,
nämlich TCP und UDP. TCP und UDP sind in IP ähnlich
eingepackt wie Briefe in Briefumschlägen. Genauso wie
Briefumschläge die Adreßinformationen enthalten, ohne die
der Brief nicht beim richtigen Empfänger ankommt, liefert das
IP-Paket die Adresse, die für den Transport der Daten zum
richtigen Internet-Rechner notwendig ist. Im Gegensatz zu den
Adressen auf Postsendungen sind die Adressen auf IP-Paketen 32 Bit
lange Zahlen. Der Übersichtlichkeit wegen wird die 32 Bit Zahl
in vier Gruppen von jeweils 8 Bit zerlegt. Danach werden die
8-Bit-Gruppen in jeweils eine Dezimalzahl umgewandelt und durch
Punkte getrennt. Da eine Internetadresse 32 Bit lang ist, gibt es
maximal 232 verschiedene Adressen.
4.3.2 Das Transmission
Control Protocol TCP
TCP bietet im wesentlichen zwei
Dienste, die bei IP fehlen: garantierte Zustellung und die
Serialisierung von Daten, d.h. die Daten kommen in der Reihenfolge
an, in der sie abgeschickt worden sind. TCP verwendet Sequenznummern,
um die Reihenfolge festzulegen, in der die zu sendenden Daten beim
Empfänger erscheinen sollen. In jedes neue IP-Paket wird neben
den Daten eine um 1 erhöhte Sequenznummer eingetragen. Der
Empfänger der IP-Pakete kann die bei ihm ankommenden TCP-Daten
anhand der TCP-Sequenznummern registrieren und außerdem
feststellen, ob sie vollständig sind. Existieren nach der
Registrierung die Sequenznummern 1, 2 und 5, dann fehlen zwei
IP-Pakete mit TCP-Daten. TCP veranlaßt dann die erneute
Übertragung der verlorenen Pakete. Aufgrund dieser beiden
Eigenschaften kann TCP einen Datenstrom zwischen zwei Rechnern
simulieren, d.h. eine Verbindung, die über eine dedizierte
serielle Leitung läuft, obwohl das zugrundeliegende Netz keine
Punkt-zu-Punkt-Verbindung anbietet. TCP hat ein weiteres wichtiges
Merkmal, nämlich Portnummern. Portnummern bilden quasi eine
weitere Adreßschicht unter der IP-Adresse. Rechner werden über
IP-Adressen eindeutig identifiziert. Portnummern kennzeichnen
einzelne Dienste auf einem Rechner. Da man auf einem vernetzten
Rechner mehrere Dienste ablaufen lassen möchte, wird ein
Bezeichner gebraucht, der dem Rechner mitteilt, an wen sich die
TCP-Daten richten, z.B. an den Telnet- oder WWW-Dämon. Der
Rechner empfängt die TCP-Daten und ermittelt über die
Zielportnummer, an welches Programm die Daten weitergereicht werden
sollen. Die Portnummer besteht aus einer 16 Bit langen Zahl, so daß
ein Rechner Dienste an Portnummern von 0 bis 65535 bereitstellen
könnte. Portnummern unter 1024 werden in UNIX privilegierte
Ports genannt, da an diesen Ports wartende Server nur mit
root-Berechtigung gestartet werden können. Diese
Sicherheitsmaßnahme soll verhindern, daß nicht
privilegierte Benutzer einen Server an einem solchen Port starten.
4.3.3 Das User Datagram
Protokol UDP
UDP ist ein ziemlich karges Protokoll: Es
nimmt, was es von IP bekommt, und fügt dem lediglich zwei
Merkmale hinzu - wobei eines davon auch noch optional ist. Das erste
sind die Portnummern. Wie TCP verwendet UDP 16 Bit lange Portnummern.
Der optionale Teil des UDP-Protokolls ist die Prüfsummenbildung.
Mit diesem Verfahren wird festgestellt, ob die UDP-Daten während
der Übertragung versehentlich geändert wurden. UDP eignet
sich also für kurze Anfragen und Antworten, die bequem in einem
IP-Paket Platz haben. Paßt die gesamte Information in ein
einziges IP-Paket, gibt es keinen Grund, sich mit TCP zu belasten,
bei dem anfangs die Sequenznummern synchronisiert werden müssen
und während der Kommunikation zusätzlicher Aufwand nötig
ist.
4.4 Das Domain Name
System DNS
Das Domain Name System (DNS) wurde geschaffen,
um Rechnern statt den IP-Adressen auch logische Namen zuordnen zu
können. DNS verwendet hierarchische Namen, wie z.B. w3g.gkss.de,
ftp.informatik.uni-hamburg.de. Diese Domänennamen
(Domains) bestehen aus Textfeldern, die durch Punkte getrennt sind.
Die Felder am Anfang des Domänennames sind die speziellsten, das
erste bezeichnet in der Regel einen bestimmten Rechner. Die Namen
gegen Ende sind die allgemeinsten, letzte bezeichnen oft die Art der
Organisation, in der sich der Rechner befindet, z.B. com für
commercial oder gov für staatliche Einrichtungen. Diese Namen
sind eigentlich nur in den USA relevant. In Deutschland haben fast
alle Rechner die Endung de, egal ob es sich um Universitäts-
oder Firmenrechner handelt. Insgesamt existieren drei
Hauptkomponenten, aus denen sich das DNS zusammensetzt:
Name Server sind Programme bzw. Rechner, die die Informationen über die Struktur des Domain Name Space verwalten und aktualisieren. Ein Name Server hat normalerweise nur eine Teilsicht des Domain Name Space zu verwalten.
Resolver stellen für
den Client Anfragen an den Name Server. Resolver sind einem Name
Server zugeordnet. Bei Anfragen, die er nicht beantworten kann, kann
er aufgrund von Referenzen andere Name Server kontaktieren.
4.5 Sicherheitsaspekte
Im Internet werden Informationen in Form von Paketen über
das Netz geschickt. Diese Pakete werden allerdings nicht gezielt von
einem Rechner zu einem anderen geschickt. Die Netzwerkverbindung des
Rechners ist vielmehr derart konfiguriert, daß alle Pakete, die
über das Netz eingehen, gelesen und auf ihren Adressaten
überprüft werden. Dies ist der Grund, weshalb einzelne
Pakete von Rechnern aus eingesehen werden können, die dafür
eigentlich nicht vorgesehen sind. Man nennt diesen Vorgang auch
Packet Sniffing. Im Internet ist dafür Sorge zu tragen, daß
kein fremder, unerwünschter Rechner Zugang zum eigenen lokalen
Netzwerk erhält. Dies ist z.B erreichbar mit Hilfe von
Firewalls. Als Firewall bezeichnet man ganz allgemein ein System, das
die Zugriffe zwischen zwei Netzwerken kontrolliert. Manche Firewalls
legen Restriktionen auf das, was übertragen werden darf, andere
auf das, was nicht übertragen werden darf.
Eine weitere
Methode, um die Übertragung zwischen Browser-Client und
Web-Server sicherer zu machen, ist der Einsatz von
Verschlüsselungsmechanismen. Secure Socket Layer (SSL) ist das
am häufigsten eingesetzte Verschlüsselungsprotokoll. SSL
unterstützt Authentisierung, Ver- und Entschlüsselung und
stellt die Korrektheit der Daten zwischen Anwendungen sicher. Das
SSL-Protokoll ermöglicht eine Kommunikation zwischen
Client/Server-Anwendungen, ohne daß Dritte abhören können
(vgl. SSL98).Eine weitere Möglichkeit zur sicheren Kommunikation
ist die Verwendung von kryptographischen Verfahren, die z.B. beim
Versenden von elektronischer Post zum Einsatz kommen (vgl. GARF96).
4.6 Zukunftsaspekte
Durch die täglich steigende Benutzerzahl des Internets wird
es unumgänglich sein, die Netzkapazität ständig zu
erweitern. Insbesondere schnellere Netzleitungen sollen den
steigenden Anforderungen des Internets gerecht werden.
Auch im
Bereich der Domänennamen scheint eine neue Entwicklung zutage zu
treten. Es wird darüber diskutiert, ob das
Namensvergabeverfahren mittelfristig umgestellt wird, da bei der
alten Konzeption mit der rasanten Weiterentwicklung nicht gerechnet
worden ist.
Im Bereich der Protokolle scheint sich ein wichtiger
Trend abzuzeichnen: Das Protokoll HTTP soll langfristig vom Internet
Inter-ORB Protokoll (IIOP), das ebenfalls auf TCP/IP basiert,
abgelöst werden. IIOP, nicht zustandslos wie HTTP, ermöglicht
verteilte Anwendungen in einem heterogenen Netz. HTTP wurde ja
ursprünglich für den Zugriff auf HTML-Seiten konzipiert und
nicht für komplexe Client/Server-Anwendungen im Internet.
5
Ausgewählte Metainformationssysteme mit WWW-Interface
Dieses Kapitel diskutiert zwei
bereits am Internet angeschlossene Metainformationssysteme, nämlich
den Umweltdatenkatalog UDK des Bundeslandes Niedersachsen und das
zentrale Umwelt- und Klimadaten-Metainformationssystem ZUDIS.
Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Nutzerführung gelegt,
d.h. wie gelangt der Benutzer zu den gewünschten Daten. Zum
Abschluß des Kapitels folgt eine Bewertung zu den bisherigen
WATiS-Versionen gegenüber den beiden vorgestellten
Metainformationssystemen.
5.1 Der
Umweltdatenkatalog UDK Niedersachsen
Der
Umweltdatenkatalog UDK wurde auf Initiative des Landes Niedersachsen
ins Leben gerufen. Der Inhalt des UDKs ist die Beschreibung von
Datenbeständen, die ihrerseits die primär interessierenden
Umweltobjekte beschreiben. Daher läßt sich der UDK als ein
Metainformationssystem klassifizieren. Mit Hilfe des UDK sollen
Antworten auf folgende Fragen gefunden werden (vgl. UDK98):
Wie können diese Informationen erhalten werden ? Wer ist der richtige Ansprechpartner, und wie kann er erreicht werden ?
Umweltrelevante Datenbestände
werden im UDK jeweils durch UDK-Objekte beschrieben. In der folgenden
Abbildung wird der Zusammenhang zwischen realen Umweltobjekten,
Umwelt-Datenobjekten, wie z.B. Meßreihen, Bildern, und
UDK-Objekten, nämlich Informationen über
Informationsbestände, veranschaulicht.

Abb. 7: Zusammenhang zwischen Umweltobjekten, Umwelt-Datenobjekten und UDK-Objekten (siehe LESS95).
Um eine systematische und vollständige Erfassung aller Datenbestände zu gewährleisten, werden die UDK-Objekte in einer baumförmigen Hierarchie, dem sogenannten Primärkatalog, erfaßt. Die UDK-Objekte werden durch eine Reihe von Attributen beschrieben. In diesen Attributen gibt es verschiedene Recherchemöglichkeiten für UDK-Objekte. Im UDK gibt es zwei Arten von Suchmöglichkeiten: Suche nach UDK-Objekten und Suche nach Adressen, wobei sich erstere noch weiter in allgemeine Suche, Detailsuche und Schlagwortsuche unterscheiden läßt. Bei der Adreßsuche und bei der allgemeinen Objektsuche wird ein einzelner Suchbegriff bzw. ein Teilwort auf eine ganze Reihe von Suchattributen abgebildet. Im Gegensatz dazu wird in der Detailobjektsuche und Schlagwortobjektsuche nach bestimmten Attributen bzw. Attributgruppen gezielt gesucht. Für jede Suchanfrage ist einstellbar, ob nach vollständigen Begriffen oder Teilworten gesucht werden soll und dabei die Groß-/Kleinschreibung beachtet oder ignoriert werden soll.
Schlagwortsuche:
Hier
können Objekte über Schlagworte gesucht werden.
Eingegebene Schlagworte können wiederum logisch miteinander
verknüpft werden.
Als Ergebnis des Suchens wird
generell eine Liste der Ergebnisse zurückgeliefert, auch wenn
diese möglicherweise sehr lang sein kann. Anhand dieser Liste
kann sich der Benutzer einen Überblick über die gefundenen
Ergebnisdatensätze verschaffen. Durch Auswahl der für ihn
relevanten Datensätze aus der Ergebnisliste kann deren
ausführliche Darstellung ausgegeben werden. Bei der
ausführlichen Darstellung werden sämtliche Attribute der
angewählten UDK-Objekte bzw. Adressen ausgegeben. Eine
erfolgreiche Suche im UDK führt zwangsläufig auf eine
Adresse, bei der die Daten zu erhalten sind, für die sich der
Benutzer interessiert. Erst nach Kontaktierung dieser Adresse ist es
möglich, mehr Informationen über aufgefundene UDK-Objekte
zu erhalten. Der UDK bietet Zugang zu Metainformationen über
vorhandene Datenbestände, die im jeweiligen Bundesland gehalten
werden (vgl. UDK98).

Abb. 8: Suchmaske nach Umweltdaten im UDK
5.2 Das Zentrale Umwelt-
und Klimadaten-Metainformationssystem ZUDIS
Dieses
Metainformationssystem mit WWW-Interface ist vom Forschungszentrum
Karlsruhe entwickelt worden, mit dessen Hilfe die in Deutschland
existierenden Informationsbestände an umweltrelevanten Daten
beschrieben werden. ZUDIS soll alsdialogorientiertes
Informationssystem gleichzeitig die Aufgabe eines Beratersystems
erfüllen, denn
ZUDIS informiert als zentrales Verzeichnis für das Umweltdatenmanagement der "Herrmann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF)" über die dort vorhandenen umweltrelevanten Datenbestände und Zugangsmöglichkeiten.
Die Informationsbestände
werden im ZUDIS in einem relationalen Datenbanksystem (Oracle)
gehalten und organisiert (vgl. ZUDI98). Die Datensatzstruktur
orientiert sich am Directory Interchange Format DIF (siehe Kapitel
3.1.1.1). Die Abfrage nach Datenbeständen kann über
interaktive Spezifikation von Parametern, wie z.B. Datenanbieter,
Raum, Zeit, erfolgen. Der Benutzer formuliert die Suchanfrage
menügestützt im WWW (siehe Abb. 9). Von hier wird die
Anfrage an das Datenbanksystem weitergegeben und ausgewertet. Beim
Anzeigen des Suchergebnisses werden dem Benutzer weitere Optionen zur
weiteren Bearbeitung, wie z.B. Ansicht der Datensatzbeschreibungen,
angeboten. In Zukunft soll die Suche nach Informationen nicht mehr
ausschließlich menügesteuert sein, sondern auch über
eine Stichwortsuche möglich sein. Dies soll durch einen
Thesaurus unterstützt werden, der die eingegebenen Suchbegriffe
mit Hilfe eines semantischen Netzwerkes von Begriffen auf die
Schlüsselworte der ZUDIS-Dokumente abbildet.

Abb. 9: Orts- und
zeitbezogene Suche im ZUDIS
5.3 Bewertung UDK, ZUDIS
gegenüber WATiS mit LOTSE
Ein echter Vergleich
zwischen den beiden Nutzerführungen vom UDK und ZUDIS mit dem
LOTSE V2 ist kaum möglich, zu unterschiedlich sind die Formen,
in denen die Benutzungsschnittstellen der jeweiligen Systeme
erscheinen. Es lassen sich unabhängig von der Art der
Benutzungsschnittstelle, die beim UDK und ZUDIS graphischer Natur
sind und dabei WWW-Techniken verwendet haben (gegenüber dem
LOTSE V2, der ein reines Textinterface als Benutzungsschnittstelle
zur Verfügung stellt) Aussagen über das Datenmaterial
treffen, das von den jeweiligen Systemen zur Verfügung gestellt
wird. Der UDK bietet Metainformation über gespeicherte
UDK-Objekte. In fast allen Fällen der UDK-Recherche enthält
die ausgegebene Metainformation eine Adresse, unter der weitergehende
Informationen über das UDK-Objekt erhältlich ist. Die
Metainformation wird in Tabellenform ausgegeben und wirkt so etwas
nüchtern, da es keine Möglichkeit gibt, außer der
Kontaktaufnahme mit der angegebenen Adresse weitere Informationen
über UDK-Objekte zu erlangen.

Abb. 10: Präsentation eines UDK-Objekts
Das ZUDIS präsentiert sich als Sammelbecken von Metainformationssystemen und bietet eine Schnittstelle an, die es ermöglicht, ein Informationssystem, das Metainformation über Umweltdatenbestände bereithält, ausfindig zu machen. Im ZUDIS gibt es z.B. bei gewünschten Daten über das Wattenmeer einen Verweis auf das WATiS. Außerdem besteht beim ZUDIS die Möglichkeit, eigene Datenbestände dem System bekannt zu machen und so für einen großen Nutzungsradius zu sorgen. Das ZUDIS könnte man als ein System bezeichnen, das Metainformation über Metainformationssysteme zur Verfügung stellt.

Abb. 11: Ergebnis der ZUDIS Suchanfrage
Der LOTSE V2 bietet keine
graphische Benutzungsschnittstelle. Mit hinreichend großem
Aufwand lassen sich aber komplexe Suchanfragen an die WADABA
gestalten. Der LOTSE V2 bietet zudem die Möglichkeit, direkt auf
die entsprechenden Rohdaten zuzugreifen; eine spezielle Kennung ist
hierbei erforderlich. Hierbei sind die Projektionen im
4-dimensionalen Suchraum zu erwähnen (vgl. WILL94). Eines der
größten Mankos des LOTSE V2 im Vergleich zum UDK und ZUDIS
ist die spartanisch ausgestattete Benutzungsschnittstelle. Mit Hilfe
einer x3270-Terminalemulation ist es möglich, über das
Internet den LOTSE V2 zu benutzen, aber eigenwillige Eingaben, die
betriebssystembedingt sind, machen die Benutzung extrem kompliziert,
während die WWW-Interfaces von UDK und ZUDIS wesentlich leichter
zu bedienen sind.
McWATiS und LOTSE/p bieten zwar eine graphische
Benutzungsschnittstelle, aber keine funktionalen Erweiterungen
gegenüber dem LOTSE V2. Eine Bewertung mit anderen Systemen mit
WWW-Anbindung ist insofern schwierig, da diese Systeme nur auf dem
Apple Macintosh implementiert sind und nur lokal nutzbar sind.
6
Grundlagen von Graphischen Fenstersystemen
Fenstersysteme haben
innerhalb kurzer Zeit in die Systemsoftware von Rechnern aller
Größenordnungen Einzug gehalten. Der Grund dafür ist,
daß sie eine direktere Abbildung der Vorgänge in einem
Rechner auf die menschliche Gedankenwelt ermöglichen als
herkömmliche Dialogsysteme, die ausschließlich auf
textueller Kommunikation oder der Anzeige von Werten beruhen. Die
Unterstützung des Benutzers liegt zum einen in der visuellen
Ausgabe der Ergebnisse, die der Rechner mitzuteilen hat und die
bewußt in Analogie zu Objekten der realen Welt stehen. Zum
anderen wird Hilfestellung geleistet durch Mechanismen, die der
parallelen Arbeitsweise des Benutzers entgegenkommen. Mehrere
Anwendungen sind auf dem Bildschirm gleichzeitig durch ein oder
mehrere Fenster vertreten. Alle diese Anwendungen und sogar alle ihre
Fenster können zu jedem Zeitpunkt durch Eingaben angesprochen
oder aktiviert werden (vgl. KLIN96). Die Benutzerführung
LOTSE/Web ist konzeptionsbedingt in ein Fenstersystem eingebettet.
Diese Eigenschaft macht es nötig, die Grundlagen von
Fenstersystemen zu betrachten, um bei der weiteren Konzeption und
Realisierung der Benutzerführung diese auch miteinzubeziehen.
6.1 Eingabe
Ein
Fenstersystem erfordert eine Texteingabe sowie ein graphisches
Eingabegerät, welches zum Zeigen auf Dialogelemente benutzt
wird. Für die Texteingabe unterscheidet man die Tastatur und die
Schrift. Die graphischen Eingabegeräte, die für
Fenstersysteme relevant sind, sind die Maus, der Lichtgriffel und das
Tablett.
6.1.1 Graphische
Zeigegeräte
Man unterscheidet zwischen graphischen
Eingabegeräten, die direkt arbeiten und solchen, die indirekt
funktionieren. Indirekte Zeigegeräte erlauben es, die
Handgelenke oder Unterarme ruhen zu lassen und bewegen durch das
Gerät einen Zeiger (engl. Cursor) auf dem Bildschirm. Bei
direkten Eingabegeräten erfolgt die Positionierung auf dem
Bildschirm selbst.
Die Maus und auch das Tablett sind typische
Repräsentanten der indirekten Eingabe, wogegen der Lichtgriffel
und die Berührschirme (engl. Touchscreens) für die direkte
Eingabe stehen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Frage, ob
sich die Positionierung in absoluten oder relativen
Koordinatensystemen vollzieht. Die Maus als Vertreter einer relativen
Positionierung, kann angehoben werden, zurückgesetzt und dann
erst weiterbewegt werden. Ein Lichtgriffel oder ein Tablett liefern
dagegen Koordinaten in einem globalen Koordinatensysten, das durch
die Bildschirmausdehnung respektive durch die Größe des
Tabletts vorgegeben ist.
6.1.2 Tastatur
Die Tastaturen von Rechenanlagen sind im wesentlichen von den
Tastaturen der Schreibmaschinen übernommen worden. Zu beachten
ist die jeweils länderspezifische Tastenanordnung. Weiterhin
wird auf eine Verbesserung der Ergonomie der Tastaturen gedrängt,
die eine vorteilhaftere Bedienung ermöglichen soll.
6.1.3 Spracheingabe
Die Spracheingabe dient hauptsächlich als Ersatz für
die Texteingabe per Tastatur, kann aber auch als Navigationseingabe
fungieren und als solche (zumindest teilweise) das graphische
Zeigegerät ersetzen. Diese Form der Eingabe ist aber noch sehr
fehleranfällig, z.B. differiert die Sprechgeschwindigkeit und
die Art der Aussprache von Mensch zu Mensch, was die fehlerfreie
Erkennung der Spracheingabe beeinträchtigt.
6.1.4 Andere
Eingabegeräte
Als weitere Eingabegeräte sind
z.B. noch das Lippenlesen, Beobachtung der Augen, 3D-Eingabe
("Datenhandschuh"), Erkennung von Gesten zu nennen, die
jedoch nur in Spezialfällen angewendet werden und sich zum Teil
noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase befinden.
6.2 Ausgabe
Für
ein graphisches Fenstersystem sind Komponenten der Ausgabe: der
Bildschirm selbst, der Bildspeicher und der Graphikprozessor, der den
Bildspeicher beschreibt.
6.2.1 Graphikprozessor
Die Graphik, die für Fenstersysteme erforderlich ist,
zeichnet sich zum einen dadurch aus, daß sie hochgradig
dynamisch sein muß. Dies bedeuetet, daß ständig und
in Echtzeit Änderungen auf Bildspeichern durchgeführt
werden müssen. Zum anderen sind die elementaren Operationen
relativ einfach. Um den Geschwindigkeitsanforderungen entsprechen zu
können, besteht die Graphikhardware neben einem schnellen
Speichermedium aus einem Graphikprozessor, der elementare Befehle vom
Hauptprozessor übernimmt. Diese Befehle kann er selbständig
und nebenläufig zum Hauptprozessor ausführen.
6.2.2 Bildspeicher
Der Bildspeicher enthält das gesamte Bild, das auf dem
Bildschirm dargestellt werden soll. Daher kann der Graphikprozessor
auf jeden Bildpunkt durch wahlfreien Zugriff, also in konstanter
Zeit, zugreifen und diesen Bildpunkt manipulieren.
6.2.3 Bildschirme
Für Bildschirme sind folgende Parameter und Kriterien
relevant: die Anzahl der Bildpunkte, die Größe des
Bildschirms, die Größe einer Bildschirmfläche (in
Verbindung mit einer sinnvollen Auflösung, die die Anzahl der
Bildpunkte in einer Bildschirmausdehnung bezeichnet).
6.2.4 Sprachausgabe
Die Sprachausgabesysteme arbeiten, indem sie für jedes
Phonem (aus der Sicht der Lautgebung die elementaren Objekte einer
Sprache) eine Laut-Codierung speichern und diese bei der Ausgabe
wiedergeben. Ein großes Problem hierbei ist die Qualität
der Sprachausgabe, die je nach verwendetem System sehr stark
differieren kann. Wie die Spracheingabe ist die Sprachausgabe in
Dialog- und Fenstersystemen eher als eine Ergänzung zu sehen, da
die Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet noch längst
nicht abgeschlossen sind.
6.2.5 Ziele und
Anforderungen für Fenstersysteme
Für ein
universelles Fenstersystem kommen eine Reihe von Anforderungen in
Betracht
(vgl. KLIN96, S.47ff.):
Ein Fenstersystem sollte in der Lage sein, auf verschiedene Benutzervorlieben einzugehen.
Parallelität aus Benutzersicht bedeutet, daß mehrere Anwendungsprogramme gleichzeitig Ausgaben auf den Bildschirm bringen und unabhängig voneinander auf Eingaben reagieren können.
Eine Anwendung kann beliebig viele Fenster benutzen.
Neben der alphanumerischen Eingabe muß mindestens ein Typus graphischer Eingabegeräte ansprechbar sein.
Ein Fenstersystem sollte netzwerkfähig sein, um mit entfernten Applikationen kommunizieren zu können.
Das Fenstersystem sollte
multimediafähig sein, d.h. auch andere Medien als Text und
Grafik verarbeiten können.
6.4. Kriterien für
Fenstersysteme
Für die Beurteilung eines
Fenstersystems sind Kriterien eine sinnvolle Hilfestellung. Einige
Kriterien zu Fenstersystemen sind z.B. Verfügbarkeit,
Produktivität, Parallelität, Leistung, Graphikgrundmodell,
Stile, Erweiterbarkeit, Anpaßbarkeit, Teilbarkeit der
Ressourcen, verteilte Fenstersysteme, Struktur und Komfort des API,
Unabhängigkeit, Kommunikation zwischen Applikationen etc.
6.5 Komponenten eines
Fenstersystems
Graphikfähige Bildschirme,
Graphikprozessoren, Netzwerkkomponenten, graphisches Eingabegerät
und eine Tastatur bilden abstrakt die Hardwarekomponenten eines
Fenstersystems ab. Die Software, die ja das eigentliche Fenstersystem
ausmacht, läßt sich wie folgt beschreiben (siehe Abb. 13):
Die Anwender-Werkzeuge sorgen dafür, daß die gängigen Dialogbausteine nicht für jede Applikation neu implementiert werden müssen. Diese Schicht wird auch als Toolkit oder Construction Set bezeichnet.
Das Window Management erledigt die Anzeige der verschiedenen Applikationen auf dem Bildschirm und liefert Dialogmöglichkeiten auf Sessionebene.
Die Ressourcen-Verwaltung ist dafür verantwortlich, daß der konkurrierende Zugriff auf Ressourcen eine Synchronisation erfährt.
Das Graphikbasissystem realisiert die Ausgabefunktion für Fenstersysteme. Um die hohe Geschwindigkeit für die Ausgabe zu gewährleisten, sind die elementaren Graphikfunktionen in effizienter Weise und hardwarenah realisiert.

Abb. 12: Schichten-Modell der Fenstersystemkomponenten (verändert
aus KLIN96, S.57)
6.6 Interaktionsformen
Der folgende Abschnitt stellt die wichtigsten Interaktionsformen
zwischen Benutzer und Rechner vor. Es werden fenster-, kommando-,
menü-, piktogramm-, masken- und multimedia-basierte
Interaktionen sowie die direkte Manipulation betrachtet (vgl. HUEB90,
S. 49ff. und STAR94, S. 83ff.).
6.6.1 Fensterbasierte
Interaktion
Fenster sind im Rahmen von direkter
Manipulation (s. 6.6.6) Objekte, die direkt vom Benutzer manipuliert
werden können. Als direkte Manipulation werden dabei alle
Funktionen betrachtet, die zu direkten Veränderungen des
Fensters führen. Indirekte Manipulation kann z.B. mittels Menüs
erfolgen. Es ist erst eine Selektion innerhalb eines Menüs
nötig, um das Fenster tatsächlich manipulieren zu können.
Als Hybride Manipulation wird die Kombination von direkter und
indirekter Manipulation bezeichnet.
6.6.2 Kommandobasierte
Interaktion
Kommandosprachen, wie z.B. von
Betriebssystemen, sollen die Interaktion zwischen dem System und dem
Benutzer erleichtern. Im allgemeinen gilt: Jedes Kommando sollte
abkürzbar sein und mit Standardoptionen aufrufbar sein. Makros
sollten vom Benutzer selbst erstellt werden können.
Hilfefunktionen sollten für alle Kommandos verfügbar sein.
Eine kommandobasierte Schnittstelle wird durch das Lesen eines
Kommandos und seiner Parameter betrieben. Ausgehend von der Eingabe
eines Kommandos wird eine bestimmte Prozedur mit den verfügbaren
Paramtern ausgeführt. Danach wartet die Schnittstelle auf die
Eingabe des nächsten Kommandos.
6.6.3 Menübasierte
Interaktion
Ein Menü ist als eine Menge von Optionen
definiert, die auf dem Bildschirm oder in einem Bildschirmausschnitt
direkt angezeigt werden, wobei die Selektion und Ausführung
einer oder mehrerer Optionen zu einer Veränderung an der
Benutzungsschnittstelle führt. Für den Designprozeß
eines Menüs sind zwei Aspekte wesentlich: die Beschreibung der
Menüeinträge und die Anordnung bzw. Gruppierung der
Menüoptionen innerhalb eines Bildschirmausschnitts. Die
inhaltliche und organisatorische Ausrichtung von Menüeinträgen
sollte dem Arbeitsablauf der Benutzer entsprechen.
6.6.4 Piktogrammbasierte
Interaktion
Ein Piktogramm (icon) ist ein symbolisch
verschlüsseltes graphisches Element. Sein Inhalt sollte einer
Metapher entsprechen, die möglichst vielen Benutzern
verständlich sein sollte. Piktogramme werden verwendet, um
Benutzern bekannte Objekte zu verschlüsseln. Piktogrammbasierte
Kommandosprachen basieren auf Symbolen, welche statische und
dynamische Elmemente zur Aufgabenerfüllung verschlüsseln.
Sie können editiert und zusammengesetzt werden.
Charakteristisch für piktogrammbasierte Systeme sind:
Speicherung. Die Datenstrukturen zur Beschreibung von Piktogrammen werden meist in einer eigenen Datenbank gespeichert. Verweise zu anderen gespeicherten Daten, wie Prozeduraufrufen, Übersetzungsroutinen, die in direktem Zusammenhang mit der Bedienung der Piktogramme stehen, werden ebenfalls als Eigenschaften bzw. Beziehungen der Piktogramme abgespeichert.
6.6.5 Maskenbasierte
Interaktion
Bei Anwendungen, welche die Verarbeitung
unterschiedlicher Daten oder die Verarbeitung großer Mengen von
Daten erfordern, kann die Erfassung dieser Daten durch direkte
Eingabe oftmals erleichert werden. Diese direkte Erfassung kann
mittels Bildschirmmasken oder Formularen durchgeführt werden.
Eine Maske (form) läßt sich als einen segmentierten
Bildschirmausschnitt, der die strukturierte Eingabe von Daten
unterstützt, beschreiben. Masken bieten den Vorteil, Daten,
deren Struktur bekannt ist, direkt und ohne Zwischenschritt eingeben
zu können. Der Aufbau von Masken spiegelt oft Datenstrukturen
wider und erlaubt zusätzlich zur Benennung der Datenfelder die
Eingabe von Werten entsprechend den Datenfeldern. Masken erlauben
eine Überprüfung der Plausibilität von Eingaben. Zur
Vermeidung falscher Eingaben sollten einige Grundregeln beachtet
werden:
Verwendung von speziellen Datentypen: Kann direkt ein Datentyp für einen Eintrag verwendet werden, so sind Plausibilitätsüberprüfungen unmittelbar möglich. Werden sie durchgeführt, so kann die Eingabe erst dann akzeptiert werden, wenn sie korrekt eingegeben wurde.
Visual Clustering: Besteht eine Dateneingabe aus mehr als acht Zeichen, so sollte sie logisch segmentiert werden.
Berücksichtigung von Konventionen: Datumseinträge, Telefonnummern, Postleitzahlen und Trennzeichen bei großen Zahlen werden meist nach kulturellen Gewohnheiten vorgenommen. Wenn möglich, sollten unterschiedliche Konventionen unterstützt werden.
Formatfreie Eingaben: Trotz aller Vorstrukturierung sollte es den Benutzern möglich sein, die Einträge an beliebigen Stellen innerhalb des vorgesehenen Feldes zu beginnen. Die Positionierung sollte automatisch vorgenommen werden.
6.6.6 Direkte
Manipulation
Direkte Manipulation ist ein umfassendes
Konzept, welches von graphischen Benutzungsschnittstellen unterstützt
werden kann. In HUEB90 werden die drei Hauptprinzipien der Direkten
Manipulation genannt:
Schnelle, umkehrbare Operationen, deren Wirkung auf das betreffende Objekt unmittelbar sichtbar wird.
Bei geeigneter Definition der
Objekte und bei geeigneter Zuordnung von Operationen lassen sich
folgende Vorteile der direkten Manipulation erkennen: Die
Grundfunktionalität ist schnell erlernbar. Auch gelegentliche
Nutzer können operationale Konzepte erkennen und aktivieren,
Fehlermeldungen werden selten benötigt. Der Nutzer erhält
sofort eine Bestätigung über den Erfolg seiner Aktivität.
Das System wird für den Nutzer transparenter, fehlerhafte
Schritte können rückgängig gemacht werden, Reaktionen
des Systems sind teilweise vorhersehbar.
Demgegenüber stehen
auch einige Nachteile: Der Aufbau der Graphik ist zeitintensiv,
Graphiken können mehrdeutig sein, der Nutzer muß die
Bedeutung der graphischen Komponenten erlernen, der Wechsel der
Handposition zwischen Maus und Tastatur behindert den Arbeitsvorgang.
Auch der Vorteil der Anschaulichkeit ist bei unpassenden Metaphern
und der damit verbundenen unpassenden Darstellung von Objekten nicht
gegeben. Die Bedienung der Benutzungsschnittstelle wird
kontraproduktiv, da das Verhalten des Systems nicht den Erwartungen
des Benutzers entspricht. Charakteristisch für Schnittstellen
mit direkter Manipulation sind:
die unmittelbare Verschiebbarkeit von Datenobjekten und Kontrolleingaben auf dem Bildschirm.
Bei der Benutzung direkter Manipulationsschnittstellen können sich folgende Schwierigkeiten ergeben:
Die Hilfe für den Benutzer muß sich an den Datenobjekten und Kontrollobjekten orientieren, die durch die Cursorposition angesprochen werden. Der Aufwand zur Umsetzung dieser Erfordernis ist oftmals sehr hoch. Daher finden sich kaum aufgabengerechte Hilfefunktionen.
Im Vergleich zu menü- oder
kommandosprachengesteuerten Systemen sind Operationen bei direkter
Manipulation nur dann verfügbar, wenn das mittels der
Operationen manipulierbare Objekt visuell verfügbar ist. Dieser
Umstand ist nicht nur beim Entwurf von Schnittstellen mit direkter
Manipulation zu beachten, sondern auch bei der Programmierung
derselben. Operationen können als Ereignisse (events) betrachtet
werden. Eigene Komponenten der Schnittstelle -Event Handler- bedienen
den Benutzer, dessen Eingaben als Menge von Ereignissen interpretiert
werden können. Die Dialogkontrolle besteht aus einer
Endlosschleife, die Ereignisse entgegennimmt und an den ensprechenden
Event Handler weiterreicht. Ereignisse können
Zustandsveränderungen nach sich ziehen. Ereignisse sollten auch
gespeichert werden können, damit alle Benutzereingaben und
Systemausgaben registriert werden können.
6.6.7 Multimedia
Interaktion
Multimedia Interaktion bestimmt eher als
Schlagwort die Diskussion um die Kombination elementarer
Interaktionsformen denn als technisches, organisatorisches oder
software-ergonomisches Konzept. Da die Vorstellungen bezüglich
einer Definition von Multimedia Systemen sehr unterschiedlich sind,
existiert keine präzise und einheitliche Definition derartiger
interaktiver Systeme. Um einen Konsens zu finden, lassen sich jedoch
folgende minimale Eigenschaften von Multimedia Systemen erkennen:
Eines oder mehrere Interaktionsmedien sind dynamisch, d.h. zeitabhängig, z.B. Audio oder Animationen, wobei die menschliche Wahrnehmung an eine feste zeitliche Abfolge gebunden ist. Text, Graphik und z.B. Standbilder stellen im Gegensatz dazu zeitunabhängige Medien dar.
Als Medien kommen Text, Graphik, Bilder, Audio, Video oder Sprache zum Einsatz, wobei die Beschränkungen der Informationsübermittlung von Text und Graphik durch Audio-, Video-, Simulations- und Animationskomponenten überwunden werden sollen.
Bedingt durch die Integration wird die Flexibilität der Anzeige und Übermittlung von Informationen erhöht. Dabei stehen Möglichkeiten der individuellen Anpaßbarkeit sowie Erhöhung der Bandbreite an Informationsarten im Mittelpunkt der Gestaltung derartiger Systeme.
Die Wahl der Informationsdarstellung liegt beim Benutzer.
Die Effizienz der Interaktion soll durch die mehrfache und anschauliche Darstellung von komplexen Inhalten gesteigert werden. Die Handlungsmöglichkeiten für Benutzer sind neben der individuellen Steuerbarkeit der Interaktion das Festlegen des Zeitpunkts der Informationsdarstellung und -übermittlung sowie die Auswahl und Kombination von Informationselementen. Multimedia könnte als die rechnerbasierte Kombination mehrerer zeitabhängiger und zeitunabhängiger Medien, die individuell und selektiv bearbeitet werden können, bezeichnet werden.
|
zeitunabhängiges Medium |
Elemente |
Größe |
|
Text |
druckbare Zeichen |
10 KB (fünf Seiten) |
|
Graphik |
Vektoren |
100 KB |
|
Rasterbild |
Bildpunkte |
1 MB |
Tab. 2: Informationsarten bei multimedialer Interaktion und zeitunabhängigen Medien
|
zeitabhängiges Medium |
Elemente |
Größe |
|
Tonaufnahme |
Lautstärkepegel |
650 MB (Audio-CD) |
|
Bewegtbild |
Rasterbild oder Graphik |
>1 GB |
Tab. 3.: Informationsarten bei multimedialer Interaktion und zeitabhängigen Medien
Die Realisierung von
Multimedia Systemen stößt zur Zeit auf folgende
grundlegende Probleme:
Schwierigkeiten bei der notwendigen technischen Integration bisher in sich geschlossener und daher auch teilweise inkompatibler Systeme aus Film-, Rechner- und Nachrichtentechnik.
Das Fehlen von Konzepten und Verfahren zur Gestaltung und Entwicklung von Multimedia Systemen.
7 Konzeption der Benutzerführung LOTSE/Web
Dieses Kapitel beschreibt den
von mir gewählten Ansatz zur Realisierung der neuen
Benutzerführung LOTSE/Web. Das "Web" im Namen des
Systems steht dabei für World Wide Web und soll verdeutlichen,
daß es sich um eine WWW-basierte Anwendung handelt.
7.1 Entwurfsmethodik
Bei der Wahl der Entwurfsmethodik für die
Benutzerführung LOTSE/Web kommen zwei Möglichkeiten in
Betracht. Zum einen kann der traditionelle Ansatz des
Softwareentwurfs ausgehend von einer Top-Down-Vorgehensweise verfolgt
werden, in dem das Software-Produkt in aufeinander aufbauenden
Entwurfsphasen entwickelt und schrittweise verfeinert wird.
Demgegenüber werden im iterativen Entwurfsansatz Prototypen
entwickelt, die schrittweise verbessert werden. Der erste Prototyp
wird bereits in einer frühen Entwurfsphase entwickelt und
evaluiert, damit weitere Erkenntnisse über die Akzeptalität
gewonnen werden können. Die Abbildung 13 stellt beide Ansätze
gegenüber. Man unterscheidet horizontale und vertikale
Prototypen (vgl. OBER92):
Ein horizontaler Prototyp stellt die Benutzungsschnittstelle einer Anwendung dar. Er enthält alle Funktionen hinsichtlich der Darstellung auf der Oberfläche in Form von stark verkürzten Implementierungen. Beispielsweise können alle Tasten abgebildet werden, die bei Betätigung zu einem Wechsel in einen anderen Dialog führen oder eine entsprechende Meldung ausgeben.
Ein vertikaler Prototyp ist hinsichtlich einiger ausgewählter Funktionen vollständig implementiert.
Abb. 13: Top-Down-Ansatz vs. Prototypenentwicklung (vgl. HUEB90, S.21)
Der iterative
Entwurf erweist sich vor allem dann als besonders geeignet, wenn die
Anforderungen nicht vollständig bekannt sind oder wenn
Erfahrungen im Umgang mit dem zu entwickelnden System notwendig sind.
In Benutzungsschnittstellen tritt der Mensch als eine Komponente des
Softwaresystems auf. Verhalten und Eigenschaften der individuellen
Benutzer unterscheiden sich und sind nicht vollständig
vorhersehbar. Unter Abschätzung der Eigenschaften, Fähigkeiten
und Aufgaben des Benutzers wird ein Benutzer- und Aufgabenmodell
entwickelt und die Benutzungsschnittstelle darauf abgestimmt. Eine
wichtige Beobachtung ist hierbei, daß der Entwickler einer
Benutzungsschnittstelle häufig nicht in der Lage ist, die
Eigenschaften der potentiellen Benutzer vollständig
einzuschätzen. Anstelle einer detaillierten Spezifikation der
Benutzerinteraktion wird daher versucht, die Benutzungsschnittstelle
in einem iterativen Prozeß an die Benutzereigenschaften
anzupassen und während dieses Prozesses nähere Aufschlüsse
über die Benutzereigenschaften zu erlangen. Durch Partizipation
der Benutzer während des Entwicklungsprozesses ist eine
Verbesserung der Benutzbarkeit zu erreichen. Die Spezifikation kann
sich in diesem Fall darauf beschränken, die Bedingung für
eine Akzeptanz eines Entwurfes festzulegen. Durch den iterativen
Entwurf ist eine praktische Evaluierung des Systems frühzeitig
möglich, so daß die Wahrscheinlichkeit, daß das
System die Erwartung und Anforderungen erfüllt, erhöht wird
(vgl. RAAS93).
7.2
Software-ergonomische Anforderungen
In DIN 66234 Teil 8
sind Grundsätze ergonomischer Dialoggestaltung enthalten. In
dieser Norm sind fünf Grundsätze genannt (vgl. DIN88):
Fehlerrobustheit
Diese fünf Grundsätze werden in der DIN 66234 Teil 8 wie folgt definiert:
Ein Dialog ist aufgabenangemessen, wenn er die Erledigung der Arbeitsaufgabe des Benutzers unterstützt, ohne ihn durch Eigenschaften des Dialogsystems unnötig zu belasten.
Ein Dialog ist selbstbeschreibungsfähig, wenn dem Benutzer auf Verlangen Einsatzzweck sowie Leistungsumfang des Dialogsystems erläutert werden können und wenn jeder einzelne Dialogschritt unmittelbar verständlich ist oder der Benutzer auf Verlangen dem jeweiligen Dialogschritt entsprechenden Erläuterungen erhalten kann.
Ein Dialog ist steuerbar, wenn der Benutzer die Geschwindigkeit des Ablaufs sowie die Auswahl und Reihenfolge von Arbeitsmitteln oder Art und Umfang von Ein- und Ausgaben beeinflussen kann.
Ein Dialog ist erwartungskonform, wenn er den Erwartungen der Benutzer entspricht, die sie aus Erfahrungen mit bisherigen Arbeitsabläufen oder aus einer Benutzerschulung mitbringen sowie den Erfahrungen, die sie sich während der Benutzung des Dialogsystems und im Umgang mit dem Benutzerhandbuch bilden.
Ein Dialog ist fehlerrobust, wenn trotz erkennbar fehlerhafter Eingaben das beabsichtigte Arbeitsergebnis mit minimalem oder ohne Korrekturaufwand erreicht wird. Dazu müssen dem Benutzer die Fehler zum Zwecke der Behebung verständlich gemacht werden.
Diese Normung gibt eine recht
anschauliche Darstellung für ein Anforderungspaket an eine
Benutzerführung wieder, die auch Anforderung für die
Konzeption des LOTSE/Web ist.
7.3 Funktionale
Anforderungen
Die Funktionalität des LOTSE/Web
orientiert sich an den bisher entwickelten Benutzerführungen.
Eine Erweiterung gegenüber älteren Versionen ist die
Möglichkeit der Volltextrecherche über die vorhandenen
Metadaten. Diese Volltextrecherche wird über eine Suchmaschine
realisiert, die diese Funktionalität zur Verfügung stellt.
Während die Metadaten der Projekte im WATiS frei verfügbar
sind, so sind die Rohdaten der Projekte nur für eingetragene
Benutzer des WATiS bestimmt. Hierbei ist ein Mechanismus zu
konzipieren, der die sichere Übertragung von Daten eingetragener
WATiS-Benutzer gewährleistet. Die Integration von anderen
Datenbeständen als die aus der WADABA wird prinzipiell
unterstützt.
7.4
Portabilitätsanforderungen
Eine der
Hauptanforderungen bei der Konzeption der Benutzerführung
LOTSE/Web ist die der Portabilität. Dies bedeutet, daß der
Einsatz dieser Benutzerführung auf möglichst vielen
Plattformen möglich ist, und zwar ohne irgendeinen
Portierungsaufwand. Die Benutzerführung LOTSE/Web ist
prinzipiell auf keine spezielle Rechnerplattform angewiesen. Es
müssen einige Prämissen erfüllt sein, damit der
LOTSE/Web auf einer Plattform einsetzbar ist, doch diese Prämissen
sind unabhängig von der Konzeption der Benutzerführung. Um
diesen Grad an Portabilität zu erreichen, müssen die
Clients über eine Netzverbindung zu dem Server verfügen,
der die Benutzerführung LOTSE/Web zur Verfügung stellt. Zum
anderen ist auf der Client-Seite ein WWW-Browser erforderlich, in dem
die Benutzerführung LOTSE/Web ablaufen kann. Der WWW-Browser ist
also eine unverzichtbare Komponente des LOTSE/Web, ohne die keine
Kommunikation ablaufen kann.
7.5 Erweiterbarkeit
Der Funktionsumfang des LOTSE/Web soll problemlos erweiterbar
sein. Neue Funktionen können bei Bedarf als CGI-Skripte oder als
Java-Programme in die bestehende Nutzerführung integriert
werden, ohne daß die bisherige Funktionalität darunter
leidet. Wenn in Zukunft Daten in multimedialer Form, wie z.B. Audio
oder Video, vorliegen, so können diese in das bestehende System
integriert werden. Fast alle WWW-Browser unterstützen diese
Formate.
Die Nutzerführung LOTSE/Web sollte nicht nur auf
Datenbestände beschränkt sein, die in der zentralen
Datenbank WADABA innerhalb der GKSS gehalten werden. Auch andere
Datenbanken können bei Bedarf integriert werden. Konzepte für
Datenbankzugriffe werden in Abschnitt 7.10 vorgestellt.
7.6 Architektur auf
WWW-Basis
Die prinzipielle Systemarchitektur des
LOTSE/Web wird in der folgenden Abbildung verdeutlicht:
Abb. 14: prinzipielle
Systemarchitektur des LOTSE/Web Systems
Der WWW-Browser kommuniziert
mit einem WWW-Server, der die Funktionalität der Benutzerführung
bereitstellt. Der WWW-Server ist dann auch für die Kommunikation
mit Systemen, die Daten bereitstellen, die über den LOTSE/Web
erlangt werden können, verantwortlich. Die Kommunikation
zwischen dem WWW-Browser und dem WWW-Server wird über das
Internet realisiert. Der WWW-Server kann jetzt Funktionalität
zur Verfügung stellen, die der Benutzer, also der WWW-Browser
als Hilfsmittel des Benutzers, verwenden kann. Dieses geschieht nun
völlig plattformunabhängig. Eine weitere unverzichtbare
Systemkomponente ist also der WWW-Server, denn nur so kann die
Funktionalität der Benutzerführung beim Client genutzt
werden. Zusätzlich wird ein weiterer WWW-Server benötigt,
der das SSL-Protokoll (siehe 4.5) unterstützt. Dieser WWW-Server
ist ausschließlich für die sichere Übertragung von
sicherheitsrelevanten Daten, wie z.B. Paßwörtern,
zuständig.
7.7 Navigation
Die Navigation durch die Daten des WATiS wird mit folgenden
Komponenten ermöglicht:
Auf Grundlage des Menübaums (siehe 3.3.6) werden Hypertextstrukturen erstellt, die ein Navigieren innerhalb des Menübaums möglich machen.
Eine Projektindexliste ermöglicht die direkte Anwahl zu Metainformation über WATiS-Projekte.
Eine Suchmaschine, die die Metainformation über WATiS-Projekte indiziert hat, ermöglicht eine Volltextrecherche über die Metainformation von WATiS-Projekten.
Ein ortsbezogener Zugriff über Bilder topographischer Karten auf Datenbestände von Projekten wird mittels Bitmap-Graphiken zur Verfügung gestellt.
Der Menübaum wird als ein
HTML-Dokument derart aufbereitet, so daß mittels Hyperlinks ein
Durchlaufen des Menübaumes von jedem Knoten zu seinen
Nachfolger- bzw. zu seinem Vorgängerknoten möglich gemacht
wird, mit Ausnahme des Einstiegs, der keinen Vorgängerknoten
besitzt und den Blättern des Menübaums, die die Projekte
des WATiS repräsentieren.
Die Projektindexliste ermöglicht
den direkten Zugang zu Metainformation und Daten eines WATiS Projekts
und wird als statisches HTML-Dokument dargestellt (siehe Abbildung
A.4). Als Suchmaschine wird das frei verfügbare Produkt HARVEST
eingesetzt (siehe 8.2.2). Sie ermöglicht die
Volltextrechtrecherche über die vorhandene Metainformation. Als
Ergebnis liefert die Suchmaschine eine Liste von HTML-Dokumenten
zurück, auf denen das gewünschte Suchmuster gefunden wurde
(siehe Abbildung A.6). Ein ortsbezogener Zugriff über Bilder
topographischer Karten auf Datenbestände von Projekten wird
mittels Bitmap-Graphiken zur Verfügung gestellt. Diese
Funktionalität wird mit Hilfe eines Java-Applets bereitgestellt.
Der Benutzer kann auf einer Karte eine Box aufziehen und bekommt als
Rückmeldung eine Liste von Projekten, die in diesem Gebiet Daten
erhoben haben. Zusätzlich kann ein Zeitraum eingegeben werden,
der dann mit dem aufgezogenen Suchrechteck eine orts- und
zeitabhängige Suche realisiert. Der Benutzer hat auch die
Möglichkeit der Wahl von verschiedenen Karten.
7.8 Oberflächengestaltung
der Benutzungsschnittstelle
Die Oberflächengestaltung
richtet sich daran aus, welche Möglichkeiten ein WWW-Browser für
das Oberflächendesign zur Verfügung stellt. Ein WWW-Browser
stellt grundsätzlich eine Funktionalität zur Verfügung:
die graphische Repräsentation von HTML-Dokumenten. Eine weitere
Möglichkeit zur Oberflächengestaltung ist die Verwendung
der Programmiersprache Java. Mit Java können sogenannte Applets
programmiert werden, die über einen WWW-Browser gestartet werden
können. Applets sind Programme, die über das Internet
geladen werden können und eine komplexere Interaktion mit dem
Benutzer ermöglichen. Die Verwendung von HTML läßt
eine komplexe Interaktion mit dem Benutzer nur bedingt zu. Dieses ist
auf die Verwendung des http-Protokolls zurückzuführen, das
Interaktionen zwischen WWW-Browser und WWW-Server nur mittels
neuerlichem Verbindungsaufbau von WWW-Browser zum WWW-Server
bewerkstelligen kann. Innerhalb von einem WWW-Browser gibt es also
zwei Möglichkeiten zur Oberflächengestaltung: Zum einen ist
dies die Verwendung von HTML, zum anderen bietet die
Programmiersprache Java innerhalb ihres Abstracting Windows Toolkit
(AWT) Möglichkeiten zum Design einer Benutzungs-oberfläche.
HTML bietet folgende Komponenten für eine Interaktion mit dem
Benutzer: Hyperlinks, Ankreuz-, Auswahl- und Schaltflächen und
Texteingabezeilen. Mit Ausnahme von Hyperlinks lassen sich diese
Komponenten in Formulare integrieren, um deren Funktionalität
voll auszuschöpfen. Der Einsatz dieser Komponenten sollte also
immer in Formularen erfolgen.
Hyperlinks
Hyperlinks
stellen (siehe 4.2.7.1) die sogenannte Hypertextfunktionalität
zur Verfügung. Durch entsprechende Referenzen ist es möglich,
auf andere Stellen im aktuellen Textdokument zu verweisen oder auch
eine beliebige WWW-Adresse aufzurufen.
Formulare (Forms)
Bei
Formularen handelt es sich um eine Ansammlung von
Interaktionskomponenten, deren Inhalt in einem Paket an den
WWW-Server geschickt wird. Diese Information kann dann vom WWW-Server
ausgewertet und weiterverarbeitet werden (siehe 7.11.1).
Die wichtigsten Interaktionskomponenten innerhalb eines Formulars sind:
Checkboxen
Dieser
Typ ist ein Ankreuzfeld. Es können beliebig viele Ankreuzfelder
in einem Formular angewählt werden.
Radio-Buttons
Radio-Buttons sind Auswahlfelder, die sich ähnlich wie
Checkboxen verhalten. Der Unterschied besteht darin, daß aus
einer Gruppe von Auswahlfeldern nur eines ausgewählt werden
kann. Wählt der Benutzer ein anderes Feld an, wird das vorherige
jeweils deaktiviert.
Schaltfläche
(Submit-Button)
Der Submit-Button ist eine Schaltfläche,
die sofort alle ausgefüllten Formulardaten an den Server
schickt. Um ein Formular an einen WWW-Server zu schicken, ist diese
Komponente unerläßlich. Zusätzlich gibt es die
Möglichkeit, benutzerdefinierte Schaltflächen zu erstellen.
Texteingabefelder
(Textareas)
Textareas sind Texteingabefelder, die
Tastatureingaben erlauben.
Pull-down-Menüs und
Auswahllisten (Scroll-List)
Mit Hilfe des <select>-Tags
können Pull-down-Menüs oder Auswahllisten in ein Formular
integriert werden.





Abb. 15: Oberflächenkomponenten
Das Java Abstract Windowing
Toolkit (AWT) stellt die eben genannten Komponenten ebenfalls bereit,
jedoch läßt sich innerhalb von Java eine ganz andere
Funktionalität erreichen. In HTML ist eine Formular-Interaktion
unerläßlich, um überhaupt eine Interaktion mit dem
Benutzer zu realisieren. In Java können diese Komponenten jedoch
innerhalb eines Programms verwendet werden, was den
Interaktivitätsgrad der Komponenten drastisch erhöht (siehe
8.3.1).
7.9 Datenrepräsentation
Die Repräsentation der Daten aus dem WATiS gliedert sich in
zwei Teilbereiche. Der eine Teil umfaßt die Repräsentation
der Metadaten, der andere die Repräsentation der eigentlichen
Projektdaten. Diese Teilung ist notwendig, da die Vorgabe zu erfüllen
ist, daß nur die Metadaten des WATiS öffentlich gemacht
werden sollen und die Projektdaten nur einem eingeschränkten
Nutzerkreis zugänglich gemacht werden sollen. Dieses ist nötig,
da die Projektdaten einem Copyright unterliegen. Berechtigte Benutzer
haben jedoch die Sicht auf alle verfügbaren Projektdaten.
Die
Metadaten der Projektdaten werden auf zwei Arten präsentiert.
Zum einen werden die Metadaten der WATiS-Projekte als statische
HTML-Dokumente aufbereitet. Für jedes Projekt im WATiS wird ein
statisches HTML-Dokument erstellt und auf einem festen Platz im
WWW-Server gespeichert. Die statische Speicherung der Metainformation
für ein Projekt ist vorteilhaft für die Schnelligkeit der
Repräsentation, da hier keine anderen Aktionen als das Aufrufen
des Dokuments vom WWW-Server zum Darstellen der Metainformation nötig
ist. Zum anderen ist es für die eingesetzte Suchmaschine
unerläßlich, daß Metainformation über
WATiS-Projekte statisch vorliegt. Denn sonst wäre die
Indizierung der Metainformation praktisch unmöglich und eine
Volltextrechereche über die Metainformation nicht realisierbar.
Theoretisch könnte die Suchmaschine auch dynamische
HTML-Dokumente indizieren, die dafür benötigten Parameter,
kann sie jedoch nicht vorhersehen. Der Nachteil statischer
Repräsentation der Metadaten von WATiS-Projekten ist die Gefahr
von unzureichender Aktualität der statischen HTML-Dokumente.
Dies kann aber durch die Installierung eines Aktualierungsprozesses
auf dem WWW-Server verhindert werden, der die statischen
HTML-Dokumente in einem festen Zeitintervall immer wieder neu
erzeugt. Die Darstellung der Metainformation eines WATiS-Projekts
kann jedoch auch dynamisch erfolgen. In jedem statischen
HTML-Dokument existiert ein Hyperlink, der über die
CGI-Schnittstelle (siehe 7.11.1) ein Skript referenziert, das
dynamisch die Metainformation aus der WADABA generiert. Die
Repräsentation der Metainformation über WATiS-Projekte
gliedert sich wie folgt (siehe Abbildung A.10):
Datum der letzten Dateneingabe
Angabe der Datenquellen
Die Umrandung der definierten
Projektfläche sowie der Fläche, in der Daten erhoben worden
sind, können über einen Hyperlink graphisch als sogenannte
Bounding-Box auf einer geographischen Karte dargestellt werden. Diese
Darstellung wird mit einem Java-Applet realisiert. Die Angabe der
Datenquellen kann URL´s enthalten, falls auf anderen Rechnern
weitere Information über dieses Projekt verfügbar ist. Sind
zu dem jeweiligen Projekt Daten in der WADABA verfügbar, so kann
der Benutzer sich zu der Auswahl von Projektdaten weiterleiten
lassen.
Die Repräsentation der Projektdaten erfolgt erst
nach einer Paßwortabfrage. Die Projektdaten-Repräsentation
erfolgt im Gegensatz zur Metainformationsdarstellung vollkommen
dynamisch. Der Grund hierfür ist in dem Umfang der Daten zu
sehen. Es ist nicht sinnvoll, große Datenbestände statisch
vorzuhalten, weil sonst eventuell Inkonsistenzen zwischen statisch
auf HTML-Dokumenten gespeicherten Projektdaten und den Projektdaten
in der WADABA auftreten können.
Die Projektdaten des
jeweiligen WATiS-Projektes, die als Tabellen in der WADABA vorliegen,
werden auf einem dynamisch erzeugten HTML-Dokument dargestellt. Hier
kann nun eine Auswahl vorgenommen werden, welche Projekttabelle
gewünscht wird. Die jeweilige Projekttabelle wird dem Benutzer
in Auszügen präsentiert. Dieses ist zwingend notwendig, da
die Größe der Projekttabellen zwischen einem Kilobyte und
mehreren Megabytes differieren kann. Sollte eine Tabelle im
WWW-Browser dargestellt werden, die einige Megabytes groß ist,
so kann es zu erheblichen Wartezeiten kommen, die dem Benutzer nicht
zugemutet werden können. Ist die jeweilige Projekttabelle für
den Benutzer von Interesse, so ist die Möglichkeit gegeben, die
Tabelle auf dem lokalen Rechner des Benutzers abzuspeichern.

Abb. 16: Middleware
Die Middleware ist in diesem Beispiel für die Kommunikation mit dem Datenbankserver verantwortlich. Vorteile von einer Drei-Ebenen-Architektur sind:
Entlastung der Clients und damit die Möglichkeit der Realisierung von "thin clients"
Entlastung des globalen Netzverkehrs aufgrund eines geringeren Datentransferbedarfs
Bessere Skalierbarkeit
Zusätzliche Möglichkeiten der Integration von Sicherheitsmechanismen
Die Nachteile einer Drei-Ebenen-Architektur sind:
Zusätzliche Serverlast, zusätzlicher Hardwarebedarf
Erhöhter Entwicklungs-, Management- und Administrationsaufwand
Mögliche Erhöhung des lokalen Netzverkehrs
Die als Middleware realisierten
Dienste stehen somit netzwerkweit zur Verfügung. Durch die
steigende Anzahl der im Netz zur Verfügung stehenden Dienste ist
eine geeignete Auswahl für die geforderten Aufgaben kompliziert
und unübersichtlich geworden. Dieses Problem zu lösen, ist
die Aufgabe des sogenannten Tradings. Die Aufgabe des Tradings ist
es, eine geeignete Dienstauswahl in einem verteilten System zur
Verfügung zu stellen (vgl. KOOR97).
Die im nächsten
Abschnitt vorgestellten Architekturen für einen Datenzugriff
stellen, bis auf eine Ausnahme, Drei-Ebenen-Architekturen dar.
Lediglich der Zugriff über JDBC (siehe 7.11.2) basiert auf einer
Zwei-Ebenen-Architektur.
7.11
Datenzugriffskonzepte für den LOTSE/Web
Eine
wesentliche Fragestellung bei der Konzeption eines
Informationssystems ist, wie der Datenzugriff realisiert werden kann.
Bei der Konzeption des LOTSE/Web beschränkt sich diese
Fragestellung auf den Komplex, wie über das Internet auf
Datenbestände zugegriffen werden kann. Für dieses
Einsatzspektrum bieten sich diese Architekturen an:
die Common Object Request Broker Architecture (CORBA)
Im folgendem Abschnitt werden
diese Architekturen im Hinblick auf den Datenzugriff des LOTSE/Web
eingehender untersucht.
7.11.1 Common Gateway
Interface (CGI)
Um über einen WWW-Server auf
Datenbestände zuzugreifen, die nicht in das erwartete WWW-Schema
passen, in diesem Fall Datenbanken, ist es nötig, ein
sogenanntes Gateway bereitzustellen, um diese Bestände zu
erreichen und somit nutzbar zu machen. Der Mechanismus zur
Kommunikation zwischen diesem Gateway und dem WWW-Server wird als
Common Gateway Interface (CGI) bezeichnet.
Die CGI-Schnittstelle
ist eine Methode, die direkt vom WWW-Server bereitgestellt wird.
Abbildung 17 zeigt den prinzipiellen Informationsfluß
zwischen CGI, WWW-Server und WWW-Client.
Abb. 17: Informationsfluß durch das CGI
Die CGI-Schnittstelle ermöglicht die Ausführung von Skripten oder Programmen auf dem WWW-Server. Diese Skripte oder Programme können eine Verbindung zu einer Datenquelle aufnehmen, Informationen entnehmen und diese im HTML-Format an den WWW-Server zurückgeben, der dann wiederum diese HTML-Ausgabe an den WWW-Client weiterreicht. Es ist nicht zwingend, daß das Skript oder Programm HTML-Code zurückliefert, wenn aber kein HTML-Code zurückgeliefert wird, dann bekommt der WWW-Client auch keine vollständig interpretierbare Ausgabe zurück.

Abb. 18: Architektur für Datenzugriff über CGI
Vorteile des Common Gateway
Interface:
Ein großer Vorteil des Common Gateway
Interface ist die relativ problemlose Handhabung. Die CGI-Skripte
oder Programme können in jeder beliebigen Spache verfaßt
werden, die auf dem jeweiligen System lauffähig ist. Zudem
lassen sich einfache Anwendungen sehr schnell mit Hilfe der
CGI-Schnittstelle implementieren.
Nachteile des Common Gateway
Interface:
Die fehlende Komplexität der Interaktivität
ist einer der größten Nachteile der CGI-Schnittstelle. Das
aufgerufene CGI-Skript oder Programm kann nach dessen Aufruf nicht
mehr mit dem WWW-Client interagieren. Die einzige Interaktion ist,
die vorgesehene Ausgabe an den WWW-Client zurückzuschicken.
Einen Mechanismus zu entwickeln, der diese Quasi-Zustandslosigkeit
behebt, ist nur durch einen immensen Aufwand zu realisieren und daher
nicht akzeptabel. Weiterhin belasten CGI-Skripte oder Programme den
Server in nicht zu vernachlässigender Weise. Die Skripte oder
Programme können zwar in beliebigen Sprachen erstellt werden,
sie müssen aber auf dem jeweiligen Rechner lauffähig sein.
Portabilität ist daher nicht unbedingt gewährleistet.
Eine
standardisierte oder zumindest quasi-standardisierte
CGI-Schnittstelle zu Datenbanken exisitiert nicht. Der
Datenbankzugriff muß explizit programmiert werden, wie es im
Prototyp realisiert wird, indem ein CGI-Skript ein Remote Shell
Kommando absetzt, um dann über ein externes C-Programm die
Verbindung zu einem Datenbankserver herzustellen.

Abb. 19: Ablaufszenario der JDBC-API
Die Behauptung der Plattform-
und Datenbankunabhängigkeit der JDBC bedarf leider einiger
Einschränkungen. Der Zugriff von Java-Programmen auf Datenbanken
geschieht über JDBC-Treiber. Diese Treiber sind aber von
Datenbank zu Datenbank verschieden. Diese Komponente der
Datenbankabhängigkeit bezieht sich aber nicht auf die
eigentliche Anwendung, denn man kann dem WWW-Client entweder die
Möglichkeit geben, diese benötigten Treiber aus dem
Internet zu laden, sofern sie dann in Java implementiert sind, oder
man kann sie auf einem zusätzlichen Server kapseln.
Als
nachteilig zu bemerken ist, daß die JDBC-API die SQL-Statements
ungeprüft zur Datenbank weiterleitet. Die Fehlermeldungen kommen
dann vom DBMS, falls denn ein Fehler vorliegt, und werden an die
Anwendung zurückgegeben. Fehler werden so oftmals erst zur
Laufzeit entdeckt. JDBC kann momentan nur auf relationale DBMS
zugreifen, Zugriffsmöglichkeiten auf objektorientierte DBMS sind
zur Zeit noch nicht vorgesehen. Dieser Nachteil relativiert sich
insofern, daß im praktischen Einsatz so gut wie kaum
objektorientierte DBMS verwendet werden. Im normalen Einsatz von JDBC
werden Paßwörter, die zur Verbindung mit der Datenbank
nötig sind, unverschlüsselt über das Netz zum
Datenbankserver übertragen. Eine sichere Übertragung der
Paßwörter kann nur durch eine eigene Implementierung
erfolgen. Der gesamte Zugangsmechanismus wird auf den WWW-Client
abgebildet, der dann möglicherweise zum "Fat-Client"
wird, d.h. als eigentlicher Client muß er Aufgaben wahrnehmen,
die eigentlich von einem Server-Rechner erfüllt werden sollten
(vgl. DICK97). Der Einsatz von JDBC im LOTSE/Web wird in der
folgenden Abbildung veranschaulicht:
Abb. 20: LOTSE/Web-Architektur mit JDBC-Konzept
Der WWW-Client lädt vom
WWW-Server ein Java-Applet, welches mit Hilfe von JDBC die Verbindung
zum Datenbankserver aufbaut. Das DBMS liefert wieder über JDBC
etwaige Ausgaben an den WWW-Client, also an das Java-Applet, zurück.
7.11.3 Remote Method
Invocation (RMI)
Dieser Abschnitt stellt das Konzept der
Remote Method Invocation (RMI) zur Program-mierung von verteilten
Softwaresystemen mit Java vor. Im vorangegangenen Abschnitt wurde
deutlich, daß die direkte Verbindung des WWW-Clients an den
Datenbankserver eher unerwünscht ist, sei es wegen
Sicherheitsaspekten oder der Gefahr des unnötigen Aufblähens
des Clients. Eine Erweiterung dazu wäre die Hinzunahme eines
Servers, der die Verbindungen zum Datenbankserver koordiniert. Es muß
dem WWW-Client explizit eine Methode zur Verfügung gestellt
werden, welche die Verbindung zu einem entfernten Datenbankserver
auf- oder abbaut, wobei diese Methode auf dem zusätzlichen
Server zu implementieren wäre (da der WWW-Client keine direkte
Verbindung zum Datenbankserver besitzen darf). Dieses Prinzip ähnelt
einem Remote Procedure Call (RPC). Diese Methode heißt in Java
RMI. RMI ermöglicht die Ausführung von Java-Programmen, die
untereinander einen Kommunikationsbedarf besitzen, in
unterschiedlichen Adreßräumen (DICK97). Die folgende
Abbildung veranschaulicht die RMI-Architektur:
Abb. 21: RMI-Architektur
7.11.4 Common Object
Request Broker Architecture (CORBA)
Die Common Object
Request Broker Architecture (CORBA) ist ein Standard der Object
Management Group (OMG). Die OMG ist ein Konsortium von über 600
Firmen und wurde 1989 mit dem Ziel gegründet, eine Architektur
für verteilte Systeme auf objektorientierter Basis zu
entwickeln. Auf der Basis der Architektur kann eine Anwendung aus
verschiedenen Komponenten geformt werden, die im Netzwerk verteilt
vorliegen. Mit der Object Management Architecture (OMA) hat die OMG
eine Softwarearchitektur spezifiziert, die das Zusammenarbeiten von
Anwendungen verschiedener Hersteller ermöglicht, und zwar
unabhängig von Betriebssystem, Hardware, Ort etc. Kern dieser
Architektur ist die Spezifikation des Object Request Brokers (ORB).
Er ist das von der OMA vorgesehene universelle Kommunikationsmedium
für beliebig geartete Objekte in verteilten, heterogenen
Systemen. Der dazugehörige Standard heißt CORBA. Dieser
Standard zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus (vgl. REDL96
und OMG98):
Objektorientierung
Die
grundlegenden Einheiten der Architektur sind Objekte, wobei ein
Objekt im Sinne der OMA eine beliebige, eindeutig identifizierbare
Einheit ist.
Verteilungstransparenz
CORBA-Programme greifen auf entfernte Objekte mit denselben
Mechanismen zu wie auf lokale Objekte. Der genaue Aufenthaltsort
eines Objekts bleibt für seine Clients in der Regel unbekannt.
Effizienz
Die
Architektur für den ORB ist von der OMG bewußt so
gehalten, daß effiziente Implementationen möglich sind,
die z.B. im Falle rein lokaler Kommunikation dem klassischen
Funktionsaufruf nur unwesentlich nachstehen.
Hardware-, Betriebssystem-
und Sprachunabhängigkeit
Die Komponenten eines
CORBA-Programms können auf verschiedenen
Betriebssystemen,
Hardwarearchitekturen und mit verschiedenen Programmiersprachen
realisiert werden.
Offenheit
Über
den ORB können Programme verschiedener Hersteller
zusammenarbeiten.

Abb. 22: OMA Referenzmodell
Im folgenden werden die
einzelnen Komponenten der OMA näher erläutert:
ORB
Der Object
Request Broker (ORB) ist eine Komponente, die von Objekten zur
Kommunikation mit anderen Objekten sowohl innerhalb desselben
Programms als auch mit Objekten in einem anderen Programm genutzt
werden kann. Er ermöglicht das transparente Weiterleiten eines
Operationsaufrufs zu einem Zielrechner und schließlich zu dem
betreffenden Objekt, unabhängig davon, welches Betriebssystem
dort verwendet wird und in welcher Programmiersprache das aufgerufene
Objekt implementiert ist. Der Aufrufer muß noch nicht einmal
wissen, auf welchem Rechner sich das angesprochene Objekt physisch
befindet. Die gemeinsame Benutzung des ORB als universelles
Kommunikationsmedium ist eine grundlegende Voraussetzung für die
Interoperalität zwischen verschiedenen Anwendungen.
Object Services
Object
Services sind elementare, betriebssystemähnliche Funktionen, die
in CORBA-Objekte mit in IDL spezifizierten Interfaces verpackt
werden. Sie bilden einen Fundus an wiederverwendbaren Bausteinen, auf
die der Benutzer bei Bedarf zurückgreifen kann. Sobald dieser
Fundus umfassend genug ist, können verteilte Anwendungen
vollkommen unabhängig von den Eigenschaften des lokalen
Betriebssystems und der Hardware entwickelt werden. Sie müssen
sich lediglich auf die standardisierten Schnittstellen des ORB bzw.
der Object Services beziehen. Von der OMG werden Object Services für
folgende Aufgaben definiert:
Regelung der Erzeugung und Beseitigung von Objekten (Lifestyle Service)
Die Spezifizierung der Object
Services ist bislang nur teilweise abgeschlossen, so daß in der
obigen Aufzählung nur die elementarsten Services genannt wurden.
Common Facilities
Common Facilities sind komplexe funktionale Einheiten, die einen
wesentlichen Teil einer Anwendung ausmachen. Sie können durch
Konfigurierungsmechanismen an verschiedene Aufgabenstellungen
angepaßt werden und somit in mehreren Anwendungen eingesetzt
werden. Die Common Facilities bauen auf den Object Services auf und
sind stärker spezialisiert als diese.
Domain Services
Domain
Services, die auch als Vertical Market Facilities bezeichnet werden,
sind Lösungen für spezielle Anwendungsgebiete, die in Bezug
auf ihren prinzipiellen Aufbau standardisiert sind. Oft handelt es
sich dabei auch nur um eine systematische Beschreibung von bereits
existierender Software in IDL.
Application Objects
Uinter einem Application Object verbirgt sich jeweils ein
konkretes Produkt oder System, wie es vom Endbenutzer gesehen wird.
Ein Application Object ist folglich etwas, das traditionell als
Anwendung bezeichnet wird. Es ist für ein bestimmtes
Anwendungsgebiet optimiert und stellt eine individuelle Lösung
für ein spezielles Problem dar.
7.12 Bewertung der
Datenzugriffskonzepte
Um die in Kapitel 7.10
vorgestellten Vorteile des Einsatzes von Middleware auszunutzen,
sollte der Datenbankzugriff über eine Drei-Ebenen-Architektur
realisiert werden. Eine CORBA-Implementierung stellt sich für
die Zukunft als erstrebenswert an. Der hohe Entwicklungsaufwand einer
solchen Implementation stellte sich aber für diese Arbeit als zu
zeitaufwendig dar. Realisiert wird der Datenbankzugriff über die
CGI-Schnittstelle, über JDBC aus einem Java-Applet und über
den Einsatz eines RMI-Servers. In Kapitel 8 werden die Vor- und
Nachteile der Realisierungen beschrieben.
8
Realisierung
Dieses Kapitel beschreibt die Umsetzung der Konzeption der Benutzerführung LOTSE/Web. Vorgestellt werden die Programmiersprachen, mit denen die Realisierung der Benutzungsschnittstelle vorgenommen worden ist. Weiter werden die Koponenten dargestellt, die zur Realisierung der Systemarchitektur benötigt wurden. Dargestellt wird auch die Realisierung der Benutzungsoberfläche und die Realisierung des Datenbankzugriffs. Abschließend wird der LOTSE/Web diskutiert, der sich aus den vorangegangenen Komponenten zusammensetzt.
8.1
Entwicklungsplattform
Die Systemarchitektur wurde auf
einer Unix-Workstation implementiert. Diese Wahl wurde getroffen,
weil sich diese Plattform gegenüber anderen am vorteilhaftesten
herausstellte. Die Mehrzahl der frei verfügbaren Tools zum
Realisieren der Systemumgebung basieren auf Unix-Systemen. Es ist
aber trotzdem möglich, die Systemarchitektur des LOTSE/Web auch
auf anderen Plattformen zu installieren, wie z.B. auf einer
PC-Plattform, die jedoch Vorteile einer Unix-Umgebung, wie z.B.
Schnelligkeit, Robustheit, vermissen läßt. Zudem war die
Vorgabe, die Systemarchitektur auf einer weitverbreiteten
Rechnerplattform innerhalb der GKSS zu implementieren, zu erfüllen.
Die Mehrzahl aller eingesetzten Systeme innerhalb der GKSS sind
Unix-Systeme.
8.2
Systemarchitektur-Komponenten
Wie in Kapitel 7
beschrieben, sind folgende Systemkomponenten Bestandteil der
Systemarchitektur: WWW-Server, SSL-WWW-Server, Suchmaschine,
Datenbank und für die Benutzerseite ein WWW-Browser.
8.2.1 WWW-Server
Apache-WWW-Server
Die
zentrale Komponente der Systemarchitektur ist ein WWW-Server. Der
Server wird dazu benötigt, um die Kommunikation mit dem Benutzer
zu ermöglichen. Frei verfügbare WWW-Server sind für
fast alle Plattformen vorhanden. Für die Realisierung der
Systemarchitektur wird der Apache-WWW-Server eingesetzt. Dieser
Server ist frei verfügbar und unterliegt einer ständigen
Weiterentwicklung (vgl. APAC98).
Apache-SSL-WWW-Server
Für die Übertragung von sicherheitsrelevanten Daten,
wie z.B. Paßwörtern, wird parallel zum eigentlichen
WWW-Server ein zweiter Server eingesetzt, der das SSL-Protokoll
unterstützt. Er unterscheidet sich nicht im Namen, sondern im
eingesetzten Übertragungsprotokoll https und einem anderen Port,
auf dem er die Kommunikation betreibt. Als Basis wurde auch hier ein
Apache-WWW-Server eingesetzt, der aber zusätzlich durch die frei
verfügbare Software SSLeay (vgl. LEAY98) modifiziert wurde, um
die sichere Übertragung zu ermöglichen. Der
Apache-SSL-Server wird beim LOTSE/Web nur für die sichere
Übertragung der Benutzerpaßwörter für den Zugang
zur Datenbank eingesetzt. Der sicheren Übertragung von Daten
steht die wesentlich geringere Übertragungsgeschwindigkeit
zwischen Server und Client gegenüber, so daß SSL-Server
nur bei sicherheitsrelevanten Transaktionen eingesetzt werden
sollten.
8.2.2
HARVEST-Suchmaschine
Zu jedem Projekt innerhalb der
WADABA wird eine statische HTML-Seite mit einer Datenbeschreibung
generiert. Diese statischen Seiten sind effizient indizierbar. Sie
werden über eine Suchmaschine zugänglich gemacht. Das
zugrundeliegende System aus Schlagwort-Extraktion, Indizierung und
Abfragefunktionen benutzt die Werkzeuge der HARVEST-Sammlung. Diese
frei verfügbare Suchmaschine wurde von der Universität
Colorado entwickelt (vgl HARV98). Je nach Konfiguration kann die
Suchmaschine auch andere Datenbestände indizieren als die im
Prototypen LOTSE/Web verwendetete Indizierung der statischen
HTML-Seiten.
8.2.3 Datenbank
Als Speicherungsort für die Wattenmeerdatenbank wird das
kommerzielle relationale Datenbankmanagementsystem ORACLE verwendet.
Diese Datenbank ist auf einem speziellen Rechner innerhalb der GKSS
installiert und kann über das Netz angesprochen werden. Das
ORACLE-Datenbanksystem ist gekennzeichnet durch die nachfolgend
beschriebenen Eigenschaften:
Verfügbarkeit des ORACLE-Datenbanksystems mit vergleichbarer Funktionalität als Laufzeitsystem für Rechner unterschiedlicher Hersteller und Leistungsklassen
Für den Zugriff auf die
Daten stellt das Datenbanksystem nicht nur die Standard
SQL-Abfrageschnittstelle zur Verfügung, sondern auch die
Pro*C-Programmierschnittstelle und eine JDBC-Schnittstelle. Die
JDBC-Schnittstelle ist nötig, um von Java-Anwendungen heraus
über das Netz auf die ORACLE-Datenbank zugreifen zu können.
8.2.4 WWW-Browser
Um die Benutzungsschnittstelle dem Client zugänglich zu
machen, ist ein WWW-Browser nötig. Alle relevanten WWW-Browser,
wie z.B. Netscape, Internet Explorer oder Hotjava, sind frei
verfügbar und stehen so allen potentiellen Nutzern zur
Verfügung. Um die volle Funktionalität der Benutzerführung
LOTSE/Web zu nutzen, muß der WWW-Browser in der Lage sein,
Java-Applets auszuführen. Die eben genannten WWW-Browser
erfüllen diese Bedingung.
8.3
Implementationskomponenten
Dieser Abschnitt beschreibt
die verwendeten Komponenten, die zur Realisierung des LOTSE/Web
verwendet wurden. Die Implementation wurde mit den Sprachen Java,
Perl und C vorgenommen, die im folgenden näher erläutert
werden.
8.3.1 Java
Java
ist eine objektorientierte Programmiersprache. In einem
objektorientierten System besteht eine Klasse aus einer Reihe von
Daten sowie aus Methoden, die mit diesen Daten arbeiten.
Zusammengenommen beschreiben Daten und Methoden den Zustand und das
Verhalten eines Objekts. Klassen werden in einer Hierarchie
angeordnet, so daß Unterklassen das Verhalten von
übergeordneten Klassen (Superklassen) erben können. Eine
Klassenhierarchie besitzt immer eine Stammklasse. Java wird mit einem
sehr umfangreichen Satz von Klassen ausgeliefert. Diese sind in
Paketen angeordnet. Beispielsweise stellt Java Klassen zur Verfügung,
mit denen Komponenten graphischer Benutzungsschnittstellen erzeugt
werden können (das Abstract Windowing Toolkit) oder Klassen, die
die Netzwerkfunktionalität unterstützen. Java ist eine
interpretierte Sprache: Der Java-Compiler erzeugt Byte-Code für
die Java Vitual Machine (JVM) und keinen direkten Maschinencode. Ein
Java-Programm wird durch den Java-Interpreter ausgeführt, der
den kompilierten Byte-Code zur Ausführung bringt. Java-Byte-Code
ist nicht von einer speziellen Plattform abhängig, d.h.
Java-Programme können auf jeder Plattform ausgeführt
werden, auf die die JVM portiert wurde. Diese Eigenschaft wird als
architekturneutral bezeichnet.
Eine herausragende Eigenschaft von
Java ist die Möglichkeit der Applet-Programmierung. Ein Applet
ist eine Art Minimalanwendung, die für die Ausführung in
einem WWW-Browser oder in einem Applet-Viewer gedacht ist. Applets
unterscheiden sich von normalen Java-Anwendungen in einer Reihe von
Punkten. Einer der wichtigsten ist, daß Applets bei ihrer
Ausführung einer Reihe von Sicherheitsbeschränkungen
unterliegen. Ein Applet besteht häufig aus unbekanntem Code,
weshalb beispielsweise der Zugriff auf das lokale Dateisystem nicht
erlaubt werden kann. Mit Java-Applets ist es möglich, daß
Java-Programme innerhalb eines javafähigen WWW-Browsers ablaufen
können und so komplexere Anwendungen für den Benutzer
bereitgestellt werden können, als dies mit HTML-Seiten oder mit
Hilfe der CGI-Schnittstelle möglich ist. Für die
Anbindungen an Datenbanken stellt Java mit JDBC ein umfangreiches
Paket für Abfragen und Manipulationsmöglichkeiten von Daten
bereit (vgl. FLAN96).
8.3.2 Perl
Perl
steht für "practical extraction and report language",
was die Sprache recht treffend charakterisiert. Ziel der Entwickler
bei der Erstellung von Perl war es, eine Sprache zu entwickeln, die
einerseits die wichtigsten Programmierbefehle wie Schleifen,
Verzweigungen, etc. enthält und andererseits aber auch die
Möglichkeit bietet, leicht Such- und Ersetzungsoperationen wie
in einem Editor durchzuführen. Somit entstand Perl im
wesentlichen als eine Synthese aus der Programmiersprache C und den
UNIX-Funktionen sed und awk. Die Programme, die man in Perl schreibt,
werden als ASCII-Files gespeichert (wie ein shell-Skript) und erst
unmittelbar vor der Ausführung kompiliert. Dies macht Programme
einerseits leicht editierbar und auch auf andere Rechnersysteme
übertragbar. Andererseits zeichnen sich Perl-Programme
insbesondere bei Suchfunktionen durch eine hohe Geschwindigkeit aus.
Perl ist Public-Domain-Software und somit (incl. Source-Code) frei
verfügbar. Daher sollte es eigentlich auf jedem UNIX-System
vorhanden sein. Außerdem existieren Portierungen für viele
andere Rechnersysteme wie Macintosh, Atari, MS-DOS, OS/2, VMS etc.,
wobei bei Nicht-UNIX-Systemen meist nicht die gesamte Funktionalität
zur Verfügung steht. Perl bietet sich als Sprache für
CGI-Skripte an, da sie eine mächtige Stringbehandlung bietet,
die das Verarbeiten z.B. von Benutzereingaben wesentlich erleichtert
(vgl. WALL97).
8.3.3 C
Die
Sprache C wird bei der Realisierung des LOTSE/Web für die
Verbindung zur Datenbank eingesetzt. Mit der PRO*C-Schnittstelle des
Datenbanksystems ORACLE können innerhalb eines C-Programms
Datenbankzugriffe realisiert werden. Dies hat aber den Nachteil, daß
dieses C-Programm abhängig von dem jeweiligen Betriebssystem
ist, auf dem es läuft. Es stellt nur eine Möglichkeit dar,
wie Datenbankzugriffe realisiert werden können. Zu Beginn dieser
Arbeit war die Entwicklung von JDBC noch nicht so weit
vorangeschritten, so daß man den Zugriff auf die Datenbank auf
diese Weise hätte realisieren können.
8.4
Oberflächenrealisierung
Das Erscheinungsbild der
Benutzungsoberfläche orientiert sich an den
Darstellungsmöglichkeiten von dem jeweils eingesetzten
WWW-Browser. Der WWW-Browser ist in der Lage, HTML-Dokumente
graphisch aufzubereiten oder aber auch Java-Applets ablaufen zu
lassen. Dargestellte HTML-Dokumente können statischer oder
dynamischer Natur sein. Die dynamischen HTML-Dokumente werden
ausschließlich durch Perl-Programme erzeugt, d.h. über die
CGI-Schnittstelle wird ein Perl-Programm dazu veranlaßt, eine
HTML-Ausgabe an den WWW-Browser des Benutzers zurückzuschicken.
Beim LOTSE/Web wird die Oberfläche bis auf die
Kartenverarbeitung mit Hilfe von HTML-Dokumenten dargestellt. Die
Kartenverarbeitung wurde mit Hilfe von Java-Applets realisiert.
8.5 Realisierung des
Datenbankzugriffs
Die in Kapitel 7.11 vorgestellten
Datenzugriffskonzepte wurden - mit Ausnahme einer
CORBA-Implementation - umgesetzt. Ein CORBA-basierter Zugriff auf
Datenbanken erwies sich als zu zeitaufwendig für eine
Realisierung (siehe 8.8).
8.5.1 CGI
Der
Datenbankzugriff über die CGI-Schnittstelle des WWW-Servers
wurde folgendermaßen realisiert: In einem CGI-Programm wird ein
C-Programm auf dem Datenbankserver remote ausgeführt. Dieses
C-Programm enthält als Argumente das auszuführende
SQL-Statement und eine Datenbankbenutzer-Kennung mit dazugehörigem
Paßwort. Das C-Programm kommuniziert mit der Datenbank und
liefert als Ausgabe einen String mit dem Ergebnis der SQL-Abfrage.
Diese Ausgabe wird innerhalb des CGI-Skripts analysiert und in eine
zwei-dimensionale Array-Datenstruktur zur weiteren Verarbeitung
abgelegt. Folgende Ausschnitte aus einem CGI-Programm verdeutlichen
diese Datenbankzugriffsmethode:
.
.
.
# SQL-Abfrage
$sqlstring = "select
PROJEKT,TITEL from DOKUMENT.PROJEKTE order by PROJEKT";
#
C-Programm auf Datenbankserver starten und Speichern des
# Outputs des C-Programms
$sqlresult = `rsh
$ORACLE_host -l $gkss5_user $backend \\""$sqlstring"\\"
\\"$ORACLE_user\\" \\"$ORACLE_pw\\"`;
#
Umwandlung des Outputs in ein zweidimensionales Array durch
# Subroutine
&sqlresult_to_table
&table
= &sqlresult_to_table($sqlresult);
#
weitere Verarbeitung des Abfrageergebnisses
.
.
.
Ein großer Nachteil des
Datenbankzugriffs über die CGI-Schnittstelle ist, daß pro
SQL-Abfrage jeweils ein kompletter An- und Aufbau der
Datenbankverbindung nötig ist. Bei vielen SQL-Abfragen innerhalb
eines CGI-Programms kann es dann durchaus zu Wartezeiten kommen.
8.5.2 JDBC
Der
Datenbankzugriff mit JDBC wird entweder über ein Java-Applet
oder eine Java-Applikation realisiert. Für den LOTSE/Web wurde
der Einsatz von JDBC in Java-Applets nur beispielsweise erprobt. Aus
Sicherheitsgründen sollte davon abgeraten werden, daß
Java-Applets direkt mit Datenbankservern kommunizieren, da alle
sicherheitsrelevanten Daten, wie z.B. Datenbankuserkennung und das
dazugehörige Paßwort, innerhalb des Applets auf
Client-Seite liegen und somit unerwünschte Manipulationen im
Bereich des Möglichen liegen.
Innerhalb eines Java-Programms
(Applet oder Applikation) kann nun eine Verbindung zur Datenbank
aufgebaut werden und SQL-Statements an die Datenbank weitergegeben
werden. Ist eine Verbindung zur Datenbank erfolgreich aufgebaut, so
bleibt diese bestehen, d.h. es können beliebig viele
SQL-Statements an die Datenbank weitergeleitet werden, bis die
Verbindung explizit wieder abgebaut wird. Folgendes Programmbeispiel
veranschaulicht den Einsatz von JDBC in einer Java-Applikation:
import
java.sql.*;
.
.
.
public class JDBC_Beispiel
{
public
static void main (String args [])
throws SQLException, ClassNotFoundException {
.
.
.
//Lade
den JDBC-Treiber für eine ORACLE-Datenbank
Class.forName
("ORACLE.jdbc.driver.ORACLEDriver");
//
Datenbankverbindung aufbauen
Connection
conn =
DriverManager.getConnection
("jdbc:ORACLE:thin:@DATENBANKSERVER:1521:WADABA",
"DB-UID", "PW");
//
Erzeuge ein SQL-Statement
Statement
stmt = conn.createStatement ();
//
Führe eine SQL-Abfrage aus und speichere das Ergebnis
ResultSet rset =
stmt.executeQuery("select PROJEKT, TITEL from DOKUMENT.PROJEKTE
order by PROJEKT");
//
Das Ergebnis der SQL-Abfrage wird in einer Datenstruktur ResultSet
zur
//
weiteren Verarbeitung gespeichert
.
.
.
// Schließen der
Datenbankverbindung
conn.close();
}
}
// Ende der JDBC-Beispiel-Applikation
Diese Java-Applikation baut
eine Verbindung zu einer Datenbank auf und führt eine
SELECT-Abfrage durch. Das Ergebnis dieser Abfrage wird in einer
Datenstruktur ResultSet gehalten.
8.5.3 RMI
Eine
weitere Methode, den Datenbankzugriff zu realisieren, ist RMI. Mit
dieser Methode ist es möglich, einen eigenen Server zu
konstruieren, der für den Auf- und Abbau der Datenbankverbindung
verantwortlich ist. Java-Applets oder Applikationen kommunizieren nun
nicht mehr direkt mit dem Datenbankserver, sondern mit einem
RMI-Server, der die Abfrageergebnisse an das Applet bzw. Applikation
zurückschickt. Zur Implementation eines RMI-Servers wird
zunächst ein Interface benötigt, das die Methoden
deklariert, die remote benutzt werden können.
// Interface fuer den RMI-Beispiel-Server.
public interface RMIBeispielServ extends java.rmi.Remote {
//Deklaration der remote Methoden
ResultSet SQLquery (String sqlstring) throws java.rmi.RemoteException;
}
Dieses Interface beinhaltet nur eine Methode. Sie erwartet einen SQL-String und gibt als Ausgabe das Abfrageergebnis als Datentyp ResultSet zurück. Der dazugehörige RMI-Server kann folgendermaßen realisiert werden:
/*
* RMIBeispielServer.java
* Einfacher BeispielServer, der
eine Methode remote zur
*
Verfuegung stellt.
*/
import
java.rmi.*;
import
java.rmi.server.UnicastRemoteObject;
import
java.sql.*;
public
class RMIBeispielServer extends UnicastRemoteObject
implements RMIBeispielServ
{
private String serverName;
public
RMIBeispielServer (String s) throws RemoteException {
super();
serverName = s;
public
ResultSet SQLquery(String SQLstring) throws RemoteException {
//
Versuche Verbindung zur Datenbank aufzubauen und das
// Abfrageergebnis an den
Client zurueckzuschicken
ResultSet
rset = null;
String
s = null;
try {
Class.forName ("ORACLE.jdbc.driver.ORACLEDriver");
Connection conn =
DriverManager.getConnection ("jdbc:ORACLE:thin:@gkss05:1521:wadaba",
"DB-User", "DB-Password");
Statement stmt = conn.createStatement ();
rset = stmt.executeQuery(SQLstring);
}
catch (SQLException ex) {/* Exception Handling */}
catch ( ClassNotFoundException cnfexc ) {/* Exception Handling */}
return rset;
}
public static void main (String args []){
System.setSecurityManager (new RMISecurityManager());
try {
RMIBeispielServer obj = new RMIBeispielServer ("RMIServer");
Naming.rebind ("//guisun3/RMIServer", obj);
System.out.println ("RMIServer in der Registry gebunden.");
}
catch (Exception e) {/* Exception Handling */}
}
Der RMI-Server enthält nun
die Implementierung der Methode SQLquery. Clients können nun
über diesen Server SQL-Statements an eine Datenbank schicken und
die Abfrageergebnisse als Antwort des Servers erhalten.
8.6 Realisierung des
LOTSE/Web
Auf der Serverseite ist die Installation der
beiden WWW-Server auszuführen. Zum einen der "normale"
WWW-Server, der alle Komponenten, bis auf die sichere Übertragung
von Benutzerkennungen und Paßwörtern, der
Benutzungsschnittstelle zur Verfügung stellt und zum anderen
einen weiteren WWW-Server, der eben nur die sichere Übertragung
von Daten realisiert. In der Abbildung 23 werden die realisierten
Komponenten der Benutzerführung dargestellt. Diese Komponenten
bestehen aus CGI-Programmen, Java-Programmen in Appletform und
statischen HTML-Dokumenten. Pfeile an den jeweiligen Komponenten
verdeutlichen den Ablauf, mit dem sich der Benutzer durch die
Programme bewegt. Die waagerechte Linie symbolisiert den Übergang
von der Metadatenebene zur Sachdatenebene. Bis zu diesem Punkt sind
alle Informationen für die ganze Welt einsehbar. Werden nun aber
konkrete Projektdaten verlangt, so ist die Benutzung des Systems erst
durch eine gültige Benutzer/Paßwortkombination möglich.
Im folgenden Abschnitt werden die einzelnen Komponenten näher
erläutert.
Statische HTML-Dokumente
Die statischen HTML-Dokumente, die für die Aufbereitung des
Menübaums, die Projektindex-Liste und für die
Metainformation der jeweiligen Projekte benötigt werden, werden
durch Perl-Programme erzeugt und an den spezifischen Stellen für
den WWW-Server abgelegt. Diese Programme werden in festen
Zeitintervallen ausgeführt, damit der aktuelle Datenbestand aus
der WADABA auch auf den statischen HTML-Dokumenten repräsentiert
wird.
Suchmaschine
Die
Suchmaschine wurde so konfiguriert, daß sie in festen
Zeitintervallen die statischen HTML-Dokumente, auf denen die
Metainformation von Projekten aus der WADABA repräsentiert wird,
indiziert.
Geographische Suche
Die
geopraphische Suche wurde durch ein Java-Applet realisiert, das die
Möglichkeit zur orts- und zeitbezogenen Recherche bietet. Die
nötigen Datenbankzugriffe wurden zunächst über die
JDBC-Schnittstelle realisiert. Im Verlauf der Realisierung wurde ein
RMI-Server entwickelt, der die Kommunikation mit der Datenbank
übernahm. Da sich diese Lösung als nicht robust genug für
den Dauereinsatz zeigte, wurde auf der Zugriff letztendlich über
das "bewährte" C-Backend vorgenommen. Im Dauerbetrieb
zeigten sich hier keine Ausfälle.
Graphische Darstellung des
Projektgebiets
Die graphische Darstellung des Projektgebiets
wurde ebenfalls durch ein Java-Applet realisiert. Es stellt das
jeweilige Projektgebiet durch ein Rechteck dar, auf das ein
digitalisiertes Satellitenbild gezeichnet wird.
Dynamische Repräsentation
von Metainformation
Die dynamische Repräsentation von
Metainformation eines Projekts wurde durch ein in Perl programmiertes
CGI-Programm realisiert.
CGI-Programme für die
Darstellung von Projektdaten
Die Programme, die für die
Ausgabe von Projektdaten benötigt wurden, sind ausnahmslos in
Perl programmierte CGI-Programme. Die hierbei nötigen
Datenbankzugriffe werden über die CGI-Schnittstelle realisiert
(siehe 8.5.1):
Downloadmöglichkeit von Projekttabellen
Abb. 23: Komponenten des
LOTSE/Web
8.7 Probleme bei der
Realisierung
Im Laufe der Implemenation traten einige
Probleme auf. Als ein großes Problem erwies sich der Zustand
der WADABA in dem relationalen Datenbanksystem ORACLE. Es stellte
sich heraus, das einige Datenbankobjekte, wie z.B. Tabellen oder
Views, nicht vollständig oder sogar fehlerhaft von der
IBM-DB2-Datenbank auf das ORACLE-System portiert wurden. Die Suche
nach den fehlerhaften Objekten erwies sich als sehr zeitaufwendig.
Zudem mußten diese Fehler manuell behoben werden, was sich auch
als sehr arbeits- und zeitintensiv herausstellte.
Auch der
Einsatz von JDBC gestaltete sich anfangs sehr problematisch. Erst in
der 1.1-Version des Java-Development-Kits (JDK) war das JDBC-Package
Bestandteil des JDK. Mit der neuen Version des JDK wurden z.B. einige
Komponenten, wie z.B. das Behandeln von Ereignissen, komplett neu
definiert.
Die JDBC-Anbindung an das ORACLE-Systems erwies sich
anfangs auch als sehr probelematisch. Hinzu kommt auch noch, das ein
Update von der Version 7.1 auf die Version 7.3 des ORACLE-Systems
vorgenommen wurde. Während dieses sehr zeitintensiven Updates
war die Datenbank oft nicht verfügbar.
Als sehr zeit- und
arbeitsaufwendig erwies sich auch die Konfiguration und Installation
der HARVEST-Suchmaschine und des SSL-WWW-Servers. Nach erfolgreichem
Installieren laufen diese Komponenten jedoch stabil und zuverlässig.
8.8 Offene Punkte
Wie in Kapitel 2 bereits angedeutet, steht der 4-dimensionale
Suchraum noch nicht zur Verfügung. Erst bei erfolgreicher
Portierung der dazugehörigen Datenbankobjekte von der
IBM-DB2-Datenbank auf das ORACLE-System kann diese Funktionalität
angeboten werden.
Eine Online-Hilfe für jeden Schritt
innerhalb der Benutzerführung steht noch nicht zur Verfügung.
Die Bedienungsanleitung aus Anhang A steht jedoch als HTML-Dokument
zur Einsicht bereit.
Die Benutzerführung LOTSE/Web führt
momentan nur durch den Datenbestand der Wattenmeerdatenbank WADABA.
Die Möglichkeit, auf andere Datenbanken Zugriff zu erlangen, die
Umweltdaten enthalten, war nicht möglich.
Ein
CORBA-basierter Zugriff auf Datenbanken wurde nicht realisiert, da
sich die Implemenation dieser Methode als zu zeitintensiv
herausstellte. Eine CORBA-basierte Architektur für den Zugriff
auf Datenbanken wird von dem zur Zeit laufenden Projekt TIDE (siehe
Kapitel 9) konzipiert und realisiert.
9 Zusammenfassung und Ausblick
In dieser Arbeit
wurde die Benutzerführung LOTSE/Web für das
Wattenmeerinformationssystem WATiS als eine WWW-basierte Anwendung
konzipiert und realisiert. Dadurch kann der LOTSE/Web einer großen
Zahl von Nutzern zugänglich gemacht werden. Die Benutzung des
LOTSE/Web ist zudem auf keine spezielle Rechnerplattform angewiesen.
Der Benutzer benötigt lediglich einen graphischen WWW-Browser
und eine Verbindung zum Internet. Die Funktionalität der bisher
entwickelten Nutzerführungen wurde im wesentlichen beibehalten.
Eine Volltextrecherche über die vorhandene Metainformation wird
über eine Suchmaschine möglich gemacht und erweitert die
bisher vorhandene Funktionalität. Zudem wurde gezeigt, daß
Konzepte, wie z.B. RMI oder CORBA, existieren, die einen Zugriff auf
andere Datenbestände erleichtern. Der LOTSE/Web ist problemlos
in seiner Funktionalität erweiterbar. Neue Funktionen können
in bestehende Programme integriert werden oder auch als neue
Komponenten in die LOTSE/Web-Architektur eingefügt werden.
Die
Einbeziehung von Mitarbeitern der GKSS innerhalb des
Entwicklungsprozesses hat sich als äußerst positiv, wenn
auch zeitaufwendig erwiesen. Der Funktionsumfang konnte somit den
Benutzerwünschen angepaßt werden.
Der Datenbankzugriff
über ein C-Programm erwies sich im Dauereinsatz am robustesten.
Der Zugriff über JDBC stellte sich zwar auch als problemlos
heraus, doch aus Sicherheitsgründen wurde eine reine
JDBC-Anbindung an die Datenbank verworfen. Der Datenbankzugriff über
einen RMI-Server erwies sich im Langzeitverhalten als nicht stabil
genug.
Für die Zukunft ist davon auszugehen, daß die
Benutzerführung sich zu einer integrierten, auf Java basierenden
Lösung weiterentwickeln wird. Die Verwendung von CGI-Skripten
für die Interaktion mit dem Benutzer erweist sich für die
Zukunft als viel zu unflexibel. In dem zur Zeit laufenden Projekt
TIDE (siehe Kapitel 1) wird eine dreistufige Systemarchitektur unter
Einsatz von CORBA konzipiert und realisiert (vgl. GEHL97).
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PAGE93 |
Page, B.; Häuslein, A.; Greve, K.: Das Hamburger Umweltinformationssystem HUIS. Umweltbehörde Hamburg. 1993 |
|
PAGE94 |
Page, B.; Hilty, L. M.: Umweltinformatik. München, Wien: Oldenbourg-Verlag 1994 |
|
RAAS93 |
Raasch, J.: Systementwicklung mit Strukturierten Methoden. München; Wien: Hanser 1993 |
|
REDL96 |
Redlich, J.-P.: CORBA 2.0: Praktische Einführung für C++ und Java. Bonn: Addison-Wesley 1996 |
|
RIEC95 |
Rieche, B.; Dittrich K. R.: Einsatz und Nutzen einer Metaebene für förderierte Datenbanksysteme am Beispiel der Molekularbiologie. In: LAUS95, S. 358-372 |
|
RUDO97 |
Rudolph, P.; Mossgraber, J; Schmid, H.: ELISE-Ein Konzept zum Aufbau eines WWW-basierten Informationssystems für die Elbe-Ökologie und Integrationsvorschläge für vorhandene Umweltinformationssysteme. Berlin, Karlsruhe: 1997 |
|
SAYE97 |
Sayegh, A.: Corba - Standard, Spezifikationen, Entwicklung. Cambridge; Köln; Paris: O'Reilly 1997 |
|
SCHE94 |
Scheller, M.; Boden, K.-P.; Geenen, A.; Kampermann, J.: Internet - Werkzeuge und Dienste. Berlin: Springer Verlag |
|
SCHU94 |
Schütz, T.; Lessing, H.: Metainformation von Umwelt-Datenobjekten - Zum Datenmodell des Umwelt-Datenkataloges Niedersachsen. In: JAES93, S. 19-28 |
|
SLOM88 |
Sloman, M.: Verteilte Systeme und Rechnernetze. München; Wien: Hanser 1988 |
|
SSL98 |
Secure Socket Layer. URL: http://www.w3.org/Security |
|
STAR94 |
Stary, C.: Interaktive Systeme. Braunschweig: Vieweg 1994 |
|
TRES96 |
Tresch, M.: Middleware: Schlüsseltechnologie zur Entwicklung verteilter Informationssysteme. In: Informatik Spektrum 19, S. 249-256. Berlin: Springer-Verlag 1996 |
|
UDK98 |
Der Umweltdatenkatalog Niedersachsen. URL: http://www.mu.uni-hannover/WWW-UDK |
|
ULTS94 |
Ultsch, A.: Einsatzmöglichkeiten von Neuronalen Netzen im Umweltbereich. In: PAGE94, S. 201 - 226 |
|
WALL97 |
Wall, L.; Christiansen, T.; Schwartz, R. L.: Programmieren mit Perl. Cambridge; Köln; Paris: O'Reilly 1997 |
|
WILL93 |
Willmann, D.: Grafisch orientierte Abfragen bei verteilter Datenhaltung für das Wattenmeerinformationssystem WATiS. 1993 |
|
WINT94 |
Winter, V.: Erweiterung eines Nutzerführungssystems für Umweltdatenbanken. 1994 |
|
WOLF96 |
Wolff, N.; Lüders, M.; Cummerow, R.: Metainformationssysteme im Umweltbereich. Universität Hamburg: Fachbereich Informatik 1996 |
|
ZEID92 |
Zeidler, A.; Zellner, R.: Software-Ergonomie. München, Wien: Oldenbourg 1992 |
|
ZIEG93 |
Ziegler, J.; et al.: Benutzergerechte Software-Gestaltung. München; Wien: Oldenbourg 1993 |
|
ZUDI98 |
Das Zentrale Umwelt- und Klimadaten-Metainformationssystem ZUDIS. URL: http://hbksun17.fzk.de:8080/ZUDIS/zudis.html |
Abkürzungsverzeichnis
|
API |
Application Programming Interface |
|
AWI |
Alfred-Wegener-Institut |
|
AWT |
Abstract Windowing Toolkit |
|
CERA |
Climate and Enviromental Data Retrieval and Archive -Datenmodell |
|
CGI |
Common Gateway Interface |
|
CORBA |
Common Object Request Broker Architecture |
|
DBMS |
Datenbank Management System |
|
DIF |
Directory Interchange Format |
|
DKRZ |
Deutsches Klimarechenzentrum |
|
DNS |
Domain Name Service |
|
|
Electronic Mail |
|
FTP |
File Transfer Protocol |
|
GCMD |
Global Change Master Directory |
|
GIS |
Geographisches Informationssystem |
|
GKSS |
GKSS Forschungszentrum Geesthacht |
|
HDF |
Hierarchical Data Format |
|
HGF |
Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungseinrichtungen |
|
HTML |
Hypertext Markup Language |
|
HTTP |
Hypertext Transfer Prorocol |
|
IIOP |
Internet Inter ORB Protocol |
|
IP |
Internet Protocol |
|
JDBC |
Java Database Connectivity |
|
LOTSE |
Lan Ocean Thematic Search Engine |
|
OMA |
Object Management Architecture |
|
OMG |
Open |
|
ORB |
Object Request Broker |
|
RDBMS |
Relationales Datenbank Management System |
|
RMI |
Remote Method Invocation |
|
SQL |
Structured Query Language |
|
SSL |
Secure Socket Layer |
|
TCP |
Transmission Control Protocol |
|
UDK |
Umweltdatenkatalog |
|
UDP |
User Datagram Protocol |
|
UIS |
Umweltinformationssystem |
|
URL |
Uniform Ressorce Locator |
|
WADABA |
Wattenmeerdatenbank |
|
WAIS |
Wide Area Information Service |
|
WATiS |
Wattenmeerinformationssystem |
|
WWW |
World Wide Web |
|
ZUDIS |
Zentale Umwelt- und Klimadaten-Metainformationssystem |
Bedienungsanleitung für den LOTSE/Web
Der LOTSE/Web führt den Benutzer durch die Daten der innerhalb der GKSS befindlichen Wattenmeerdatenbank WADABA. Die Benutzung erfordert eine Internetverbindung und einen WWW-Browser. Der WWW-Browser ist das zentrale Hilfsmittel für den Benutzer, um sich mit Hilfe der Benutzerführung LOTSE/Web durch die Datenbestände der WADABA zu bewegen. Auch bei geringen Vorkenntnissen entwickelt der Benutzer schnell ein Gefühl für die Handhabung der Benutzerführung, solange er mit der elementaren Funktionalität des WWW vertraut ist. Dieses beginnt mit der Eingabe einer URL in den WWW-Browser, um mit einem WWW-Server zu kommunizieren, der dem Benutzer Informationen bereitstellt. Die Bedienungsanleitung für den LOTSE/Web gliedert sich wie folgt:
Projektdaten einsehen
Start der Benutzerführung
Der Benutzer startet seinen WWW-Browser mit der URL http:/w3g.gkss.de/lotse. Ab diesem Punkt startet die mausgesteuerte Benutzerführung LOTSE/Web (s. Abb. A1).
Abb. A.1: Startseite des LOTSE/Web
Hier werden dem Benutzer fünf Möglichkeiten für die Suche nach Daten angeboten:
Eine Kartensuche ermöglicht die geographische Suche von Projekten.
Datensuche im kompakten Menübaum
Der gesamte Menübaum wird als ein HTML Dokument bereitgestellt. Der Benutzer kann sich durch Anklicken der Hyperlinks durch den gesamten Baum bewegen (siehe Abb. A.2).
Abb. A.2: Kompakte Version des Menübaums
Datensuche im strukturierten Menübaum
Die Datensuche in der strukturierten Version des Menübaums gestaltet sich ähnlich wie in der kompakten Version. Hier wird aber nicht der komplette Baum als HTML-Dokument geladen, sondern die einzelnen Knoten des Baumes werden als einzelne HTML-Dokumente bereitgestellt (siehe Abb. A.3).
Abb. A.3: Strukturierte Version des Menübaums
Datensuche im Projektindex
Der Projektindex listet alle vorhandenen Projekte des WATiS alphabetisch auf. Per Mausklick kann die vorhandene Metainformation zu einem Projekt eingesehen werden oder zeigt den Kontext an, den das Projekt im Menübaum einnimmt (siehe Abb. A.4)
Abb. A.4: Projektindex
Datensuche per Suchmaschine
Die Suchmaschine ermöglicht die Volltextrecherche über die vorhandenen Metadaten von Projekten. Die Such-Optionen können vom Benutzer selbst bestimmt werden
(siehe Abb. A.5).
Abb. A.5: Anfrageformular der Suchmaschine
Bei Treffern der Suchmaschine gibt die Suchmaschine eine Liste von HTML-Seiten zurück, die eine Übereinstimmung mit dem Suchbegriff haben (siehe Abb. A.6).
Abb. A.6: Ergebnis der Suchmaschinen-Recherche
Geographische Suche
Bei Anwahl der geographischen Suche zieht der Benutzer ein Rechteck auf der digitalisierten Karte auf, d.h. einen Punkt wählen, Maustaste gedrückt lassen und einen zweiten Punkt wählen, dann die Maustaste lösen. Innerhalb dieses aufgezogenen Rechtecks wird durch Drücken des SHOW-Buttons die Anzeige der innerhalb des Rechtecks vorhandenen Projekte veranlaßt. Soll ein neues Rechteck erzeugt werden, so braucht der Benutzer nur nach vorgestelltem Muster vorgehen. Die vorherige Eingabe wird dann automatisch gelöscht. Eine zweite Möglichkeit ist das Drücken des RESET-Buttons, der Benutzereingaben auch verwirft.
Der RESET-Button löscht aber zudem auch Ausgaben des Systems (siehe Abb. A.7). Durch die Eingabe eines Zeitraums hat der Benutzer die Möglichkeit, ein weiteres Kriterium zur Suche. Somit ist eine orts- und zeitabhängige Suche nach Projekten durchführbar. Hat der Benutzer ein Rechteck aufgezogen und das System durch Drücken des SHOW-Buttons die Anzeige der innerhalb des Rechtecks vorhanden Projekte veranlaßt, werden zwei neue Fenster erzeugt. In dem einen Fenster werden die Projekte mit ihrem Kürzel und dem Titel angezeigt, in dem anderen Fenster befinden sich Buttons, die mit dem jeweiligen Projektkürzel beschriftet sind (siehe Abb. A.8). Durch Drücken einer der Buttons wird das jeweilige Projektgebiet auf der Karte als blinkendes Rechteck dargestellt und zudem das Öffnen eines neuen Browser-Fenster veranlaßt, das die vorhandene Metainformation für das betreffende Projekt anzeigt (siehe Abb. A.9).
Abb. A.7: Geographische Suche
Abb. A.8: Neu erzeugte Fenster, die textuelle Information
und Buttons enthalten
Abb. A.9: Projektgebiet wird
innerhalb der Karte angezeig,t und ein neues Browserfenster wird mit
beschreibenden Daten des Projekts geöffnet
Metainformation einsehen
Metainformation über ein Projekt kann nicht nur über die geographische Suche erlangt werden, sondern auch über die drei ersten Auswahlpunkte des Ausgangsmenüs. Sowohl die Auswahl von Projekten in der kompakten und strukturierten Version des Menübaums, im Projektindex als auch die Recherche über die Suchmaschine liefern eine Referenz für die Anzeige von Metainformation.
Abb. A.10 : Metainformation über ein Projekt
Auf der HTML-Seite, auf der die
Metainformation für ein Projekt dargestellt wird (siehe Abb.
A.10), gibt es für den Benutzer weitere Möglichkeiten zum
Erlangen von zusätzlicher Information. Wenn für das Projekt
Koordinaten für das definierte Projektgebiet bzw. Koordinaten
für die tatsächlich erhobenen Daten vorhanden sind, kann
der Benutzer auf das jeweilige Windrosensymbol klicken, was eine
graphische Darstellung des Projekt- bzw. Datengebiets erfolgen läßt
(siehe Abb. A.11). Die Adressenangabe(n) zu jedem Projekt läßt
sich durch eine Auswahl detaillierter anzeigen (siehe Abb. A.12).
Sind Sachdaten des entsprechenden Projekts vorhanden, gibt es einen
Button, der zur Authentisierungsmaske führt. Existieren andere
beschreibende Datenquellen zu einem Projekt, so werden diese durch
Angabe eines Hyperlinks zugänglich gemacht.
Abb. A.11: Anzeige der Fläche in der für das Projekt SCHADS Daten erhoben wurden
Abb. A.12 : Detaillierte Adressenangabe
Abb. A.13: Möglichkeit
zum Zugang zu Projektdaten in der WADABA und
zusätzliche
Information zu einem Projekt
Projektdaten einsehen
Durch Anklicken des Buttons in Abb. A.13 gelangt der Benutzer zur Authentisierungsmaske und muß seine Projektkennung und sein Paßwort eingeben, um Zugang zu den Projektdaten in der WADABA zu erhalten (siehe Abb. A.14).
Abb. A.14: Authentisierungsformular
Hat der Benutzer die korrekte Kennung und Paßwort eingegeben, erscheint eine Übersicht der Datenbank-Tabellen des jeweiligen Projekts (siehe Abb. A.15). Der Benutzer hat nun die Möglichkeit, sich die Inhalte der Tabellen oder sich weitere Informationen zu den Tabellen anzeigen zu lassen (siehe Abb. A.18).
Abb. A.15: Auflistung der Tabellen eines Projekts
Zusätzlich besteht auf dieser HTML-Seite die Möglichkeit, sich eine Übersicht von anderen Projekten anzeigen zu lassen, die ebenfalls Daten in der WADABA besitzen. Per Mausklick kann sich der Benutzer den Inhalt einer Projekttabelle anzeigen lassen (siehe Abb. A.16). Besitzt die Tabelle mehr als 500 Zeilen, so kann der Benutzer sich den Inhalt der Tabelle durch Drücken des DOWNLOAD-Buttons auf seinen lokalen Rechner laden und in seinem Dateisystem speichern. Einzelne Spaltenbeschreibungen einer Tabelle können durch Mausklick abgerufen werden (siehe Abb. A.17). Auf dieser HTML-Seite besteht für den SQL-erfahrenen Benutzer außerdem die Möglichkeit zur Eingabe von selbstdefinierten SQL-SELECT-Statements.
Abb. A.16 : Inhalt einer Projekttabelle
Abb. A:17: Beschreibung einer Tabellenspalte
Abb. A.18: Beschreibung aller Spalten einer Projekttabelle